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Tonträger des Sommers 2021 / Ö

TIGER FAMILY: „Good Year“. LP, Pumpkin Records, VÖ Juli 2021

Wir sind so frei und stellen die Tiger Family einfach niemandem mehr vor. Bandleader Ratrock Tot Sint Jans und seine Kollegen wurden hier wirklich schon zur Genüge behandelt. Sie selbst etikettieren ihr Schaffen gerne mit dem Label „Boring Rock“, aber das sollte man besser ironisch verstehen, wie auch das eine oder andere sonstige Statement der Tigerfamilie aus Graz. Es geht spätestens seit der Integration einer Pedal Steel (Alex Connaughton) immer mehr in Richtung staubiger Country und so schrumpelt diese Platte gemütlich dahin, als hätte es nie schlechte Zeiten gegegeben. Ganz im Ernst: Die Stimmung ist erstaunlich heiter und wenn Ratrock „You Win Again“ anstimmt, werden sich langjährige Hörer*innen wohl über den unerwarteten Optimismus wundern. Aufgenommen wurde der Spaß im Sommer 2020, dann ist das Werk erst mal gut abgelegen und jetzt: Ist es genau das, was wir in diesem Sommer brauchen. Zu erleben als Release Party am 23. Juli in der Kombüse und am 15. August als Live-Konzert im Parkhouse. Und – falls sich Delta bald wieder verpisst – womöglich sogar in anderen Kuhdörfern als dem unseren…

Eine nette Diashow gibt es hier:

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KINGSIZED ´BASTARDS: „Tropical Thunder“, LP/digital Post Office Records, VÖ 16. 7. 2021

Und gleich noch einmal Graz. 2 Zuschneggs plus 1 Gabriel Schmidt und 1 Daniel Moick machen vier Bastarde, die eine schräge Mischung aus Psychedelic und gut abgehangenem Indie-Rock servieren. Kleine Warnung: Das kommt dabei heraus, wenn man selbst manisch Musik konsumiert. Eben eine wilde Mischung. Und viel Arbeit, denn die Platte ist nicht gerade im Vorübergehen fabriziert worden. Am Ende blieben neun Songs, die krachen und kreischen, die man richtig schön aufdrehen kann, um die Nachbar*innen zu erfreuen. Eingebettet wird das in eine seltsame Pharma-Geschichte; ein Radiomoderator kommentiert das Geschehen auf einigermaßen absurde Art. Passenderweise auf Vinyl erschienen ist dieser Tropensturm, der am 24. 7. im Innenhof des Kork in der Lessingstraße präsentiert wird. Wir sehen uns dort?

Ach ja: Wer das Ganze in aller Ausführlichkeit probehören will, bitte hier entlang:

 

Die Strottern: „schau di an”, cracked anegg records, VÖ Juni 2021

Vom Grazer Untergrund in die große Hauptstadt. Das Wiener Lied und das Wiener Leid sind Brüder. Das kleine Drama um den vergessenen Regenschirm, die ermüdenden Diskussionen um das Reiseziel in Frankreich, die Eichkatzerl(n) im Park. Das eine oder andere Achterl zu viel.

Kaum jemand bringt das schöner zu Gehör als die Strottern rund um Klemens Lendl (Gesang, Violine, Oktavgeige, Harmonium) und David Müller (Gesang, Gitarre, Harmonium, Rhodes, Säge). Die Texte sind ein wichtiger Teil des Ganzen. Oder wie die Strottern sagen: „Seit über 20 Jahren haben wir mit Peter Ahorners Texten die größte Freude. Und der Peter hat eine Freude mit unserer Musik. Also haben wir beschlossen: Neue Platte. Das geht dann so: Der Dichter liefert bienenfleißig einen Text nach dem anderen ab, die Musiker machen das, was sie immer machen und am besten können: nix. Weil so geht das bei uns und nur so: Die Texte abliegen lassen, bis sie sich uns aufdrängen. Bis sich alles von selber in Wohlgefallen auflöst, oder zumindest in ein paar Tönen, die uns auf eine Spur bringen.“ Gäste haben auch mit geholfen: Christian Bakanic mit seinem Akkordeon, Martin Eberle mit der Trompete, Martin Ptak mit Posaune und Harmonium, Peter Rom mit der E-Gitarre, Walther Soyka mit der Harmonika und Karl Stirner mit seiner Zither. Ein großes schönes Album, das man nicht nur anschauen, sondern vor allem anhören sollte.

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GRAND HOTEL SCHILLING: „Mir Wär Lieber Wir Bleiben Hier“, Vinyl, CD, digital, Wohnzimmer Records, VÖ 27. 8. 2021

Noch mal retour nach Graz. Gerade rechtzeitig vor Redaktionsschluss erreicht uns noch die neue LP des Quartetts Grand Hotel Schilling, das allerdings erst ab Ende August vollständig zu haben ist. Was erwartet die geduldigen Leser*innen? Feinster deutschsprachiger Indie-Poprock, wie man ihn auch in Wien oder Hamburg nicht besser macht. Von Georg Popp, Felix Paschke, Georg Obetzhofer und Julian Melichar (ja, der aus der Zeitung) wollen wir definitiv noch sehr viel mehr hören.

Wie sagt der Radiosender FM4: „Ja, das ist Indie! So, wie es einmal gemeint war, bevor alles plötzlich Indie war.“ Wo wir vielleicht noch ein bisschen nachbessern dürfen: Bei der Eigenständigkeit, dem komplett unverwechselbaren Sound. Und bei der Webpräsenz. Aber sonst: Sehr solide Produktion und viel Energie, das merkt auf Tonträger wie auch live, wenn man dem lieben Boomer-Kanal Facebook glauben darf.

Wer in Graz oder Wien lebt, kann das auch demnächst selbst checken: Am 27. 8. im Lesliehof (G) open air und am 8. 9. im Chelsea (W).

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