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La Strada Blog 2022/ 3: Alt und jung in der Arena

Circus Ronaldo: „Sono io?“

Unser letztes Stück im Jubiläumsjahr 2022 könnte programmatisch zu sehen sein. La Strada ist 25 und damit längst erwachsen geworden. Manche im Team sind kaum älter als das Festival selbst. Andere haben schon ein Vierteljahrhundert daran gearbeitet, die Stadt zum Lachen, zum Staunen und zum Nachdenken zu bringen. Es hat sich manches geändert, etwa die Gewichtung von Genres und Sub-Genres, die immer stärker werdende internationale Perspektive, der größere Bezug zu urbanen und sozialen Phänomen. Anderes ist geblieben, darunter erfreulicherweise das Engagement der belgischen Familie Ronaldo mit ihrem stets ungewöhnlichen Zugang zum Zirkus.

Danny Ronaldo (geb. 1969) begrüßt das Publikum in der Badewanne sitzend. Er feiert die guten alten Zeiten mit Hörbeispielen aus seinem Schaffen. Und irgendwann, als die Tonbänder beginnen zu leiern, betritt ein junger Mann die Arena. Es ist Dannys Sohn Pepijn, die siebente Ronaldo-Generation. Er hilft dem Vater bei so manchem Kunststück, das alleine nicht mehr so recht gelingen will. Er zeigt dem Vater aber auch, was die neue Generation bereit ist, vorzuführen. Dabei baut der junge Ronaldo auf den Wurzeln der Familientradition auf, spielt eine Menge Instrumente, zeigt akrobatisch-halsbrecherische Balanceakte. Der Vater ist stolz und frustriert zugleich. Das soll die Wachablöse sein? Ist er mit seinen knapp 50 Jahren wirklich schon zu alt für ein Dasein als Artist?

Bin das ich? Und wie lange noch?

Am Ende nähern sich die beiden Positionen, spätestens als Vater und Sohn gemeinsam das Klavier auf eine Rolle hieven und anschließend besteigen. Beide klatschnass von Ausflügen in die Badewanne. Und umjubelt vom Publikum.

Alles Gute zum Jubiläum, La Strada.
Und auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr.

Foto: Nikola Milatovic

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