Christian Fetish: „Aura Nera“, Noise Appeal Records VÖ 27. 3. 2026
Der Sonderpreis für den längsten, liebevollsten und detailreichsten Pressetext geht diesmal an Ä. W., die für die Kommunikation dieses düsteren Projekts zuständig ist. Uns muss man den Herrn Fetish aber gar nicht mehr genauer vorstellen, wir haben ihn nämlich unter seinem bürgerlichen Namen schon mal in den Podcast eingeladen. Wie übrigens auch die zweite, die bei diesem Album mitwirkte, Berit Gilma. Außerdem mit von der Partie: Sonja Maier von den Baits sowie Richy Dead Gein von den Bloodsucking Zombies from Outer Space. Mr. Fetish geht seiner Liebe zu dunklen Obsessionen auf Aura Nera intensiv nach. Die Platte klingt wie direkt aus der Hölle eingeflogen. Electrogoth gemischt mit diabolischem Industrial, satanischem Rock, cineastischen Walls of Sound. Dante, schau auffi!
Wer die Termine in Wien und Graz versäumt hat: Live gibt es den Herrn der Finsternis samt Band am 7. Mai im PMK Innsbruck. Und weil die Tonträgerauswahl diesmal eher zufälligerweise ausschließlich steirische Musiker:innen feiert, sei es erwähnt: Der Herr Fuchs erblickte das Licht der Welt in Graz.
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Velvet Wasted: „Everleaf“, VÖ 20. 3. 2026
Es folgt: Etwas ziemlich ganz anderes. Die vier Grazer Indie-Rocker bringen auf ihrem ersten Longplayer klassische und enorm eingängige Gitarrensounds mit dem Lebensgefühl der früher 2000er zusammen. Bisschen Hall auf die Stimme und vor uns liegt eine Platte, die von den ersten Momenten an überzeugt. „Gut!“, sagt die Frau, die gerade ins Zimmer kommt. Sehr gut sogar. Das wissen Leute, die das Quartett live gesehen haben, wie etwa als Support für die Steaming Satellites, eh schon länger. Wir glauben: 2026 wird mit diesem rundum gelungenen Album der Durchbruch gelingen. Velvet Wasted, den Namen wird man sich merken müssen. Wie auch die nächsten Termine:
24.04. Klagenfurt, Hafenstadt
22.05. Berlin, Privatclub
01.08. Kindberg, Acoustic Campfire
Foto: Matthias Heschl
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Hide & Seek: „I can fly. The complete recordings 1969-1971“, Konkord VÖ 6. 3. 2026

Wir bleiben in der Steiermark, tauchen aber tief in die Pophistorie ein. Hide & Seek, das war eine Grazer Psychedelic-Band, die 1969 zum Höhenflug ansetzte, Band-Wettbewerbe wie den in Graz gewann, aber irgendwie begann das Werkl zu schlingern und 1973 war es dann endgültig finito. Mit dabei zwei bis heute bekannte Namen: Alex Rehak und Wilfried Scheutz, der in der späten Phase den Gesangspart übernahm. Nachzulesen ist dies und mehr im lobenswerten Rockarchiv Steiermark, wo es auch Bilder, Interviews und einen Abschiedsartikel in der Kult-Tageszeitung NZ gibt. Für Leute, die wissen wollen, wie alles begann, ist diese Sammlung Pflicht.
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Cradle Collective: „City of Blues“, Blind Rope Records, VÖ 20. 3. 2026

Noch einmal ein radikaler Richtungswechsel hin zum Blues. Geografisch verweilen wir allerdings weiter in der schönen Steiermark. Cradle Collective ist eine Blues/Rock-Band aus Graz, gegründet 2016 von Florian Trummer, Egon Marbler und Claus Konrad. Eine wichtige Rolle im Hintergrund spielt Kurt Keinrath und auch „Sir“ Oliver Mally hat da und dort im wahrsten Sinne des Wortes seine Finger im Spiel. Nach einem Ausflug in poppigere Gegenden sind Cradle Collective wieder zu ihrer musikalischen Homebase zurückgekehrt und präsentieren Blues vom Feinsten. Wer diese Gattung schätzt, wird diese Platte lieben.
Live demnächst im dachboden Theater in Bruck/Mur und in Steyr, im Mai in der bluegarage in Frauental und im Reigen in Wien, im Juni auf der Burg Falkenstein bei der 2. Austrian Blues Challenge.
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Anja Om Plus: „Tiny Little Boat“, Selftape Records VÖ 15. 3.

Als Abschluss unserer steirischen Musikrundschau präsentieren wir eine, die auch schon im Haubentaucher Podcast war: Die umwerfende Sängerin und Komponistin Anja Obermayer aka Anja Om. Das Plus steht naheliegenderweise für: Da sind mehr Leute involviert. Im Fall des neuen Albums sind das Ursula Reicher, Mira Perusich, Lucia Leena, Ricarda Maria Jr. und Veronika Sterrer. Das winzig kleine Boot beginnt mit einer letzten Entschuldigung und führt uns in ein Meer aus Jazz, World-Music, zauberhaftem Gesang („Sirens“ heißt nicht zufällig so) und Pop. Sagen wir es, wie es ist: Das ist ein Fünf-Stern-Werk, das euch den Frühling versüßen wird. Ein vielschichtiges Album, das ihr als echte Feinspitze auf Vinyl daheim haben solltet.
Foto: © Kevin Rieseneder