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Buch des Monats Dramen, die das Leben schrieb

Dramenbuch des Monats

“Der Mann, der sich weigert, die Badewanne zu verlassen. Minidramen”, Edition Kürbis Mai 2022

Wir leben in einer Zeit, in der alles auserzählt wird. 9 Staffeln auf dem Serien-Portal. 800 Seiten Roman. Drunter geht’s anscheinend nicht.

Aber: Der Haubentaucher ist nicht der einzige, der sich hin und wieder nach Kürze sehnt. Die Kulturinitiative Kürbis Wies lud ein zur Einsendung von Minidramen und erhielt über 160 Texte aus dem deutschsprachigen Raum. Die Juror:innen Daniela Strigl, Karin Wozonig und Peter Faßhuber hatten die Qual der Wahl. Die 10 besten Texte wurden im Mai in der Schlosstenne Wies aufgeführt. 15 der Minidramen haben es in dieses Büchlein geschafft.

Bei Peter Zemla will ein Mann nicht mehr aus der Wanne. Dabei hat ausgerechnet seine Frau doch Flossen. Und dann ruft auch noch Hochheimer an und lädt sie zum Essen ein. Bei Carsten Brandau geht es auch um Wasser. Diesmal kommt es von oben. Eine Frau und ein Mann warten. Sie hat einen Schirm. Er nicht. Am Ende ist es umgekehrt.

Des weiteren erfahren wir viel über Panettone und veganes Salzgebäck. Wir tauchen ein in die Welt von Vernissagen und Häusern am Meer. So lässt Stephan Dorn etwa ein Pärchen darüber diskutieren, ob es zynisch ist, extra etwas weiter weg vom Strand zu wohnen, mit dem E-Auto am Klimawandel mit schuld zu sein und dann kommt ja ohnehin das Wasser näher…

Jedes der kleinen Dramen entführt uns in eine Welt, die wir zu kennen glauben. Die Texte sind heiter und/oder nachdenklich und ganz schön kurz sind sie natürlich auch. Am radikalsten löst Benjamin Wimmer die Aufgabe, in dem er einige Typen mit Bierflaschen am Rande eines Fußballfeldes zu Wort kommen lässt. Typ. Typ. Typ. Alle gleich.

Und am Ende gibt es den vielleicht verstörendsten Text: “Die Ampel” von Irene Diwiak. Eine Ampel also. Draußen am Land, wo es eigentlich gar keine Ampeln braucht. Als die Maria zur “Mary” wird, ist das zugleich ihr Todesurteil. So scheint es jedenfalls…

Eine gelungene Mischung. Schön zu sehen, wie wenig Platz es braucht, um Geschichten zu erzählen. Gerne mehr davon, ihr Kürbisse.

 

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