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Menschenbuch des Monats

„Für eine bessere Welt. Prägende jüdische Persönlichkeiten aus Österreich“. Von Klaus S. Davidowicz, Georg Markus und Ariel Muzicant. Amalthea 2026

Über 200 Porträts von Menschen mit jüdischen Wurzeln haben die drei Autoren zusammengestellt. Wer sich noch nicht intensiver mit dem Thema beschäftigt hat, wird vielleicht bei dem einen oder anderen Namen überrascht sein. Die meisten der beschriebenen Persönlichkeiten sind allerdings in der Öffentlichkeit hinreichend bekannt bis sehr prominent. Bruno Kreisky, Simon Wiesenthal, Filmstar und Bluetooth-Miterfinderin Hedy Lamarr, Timna Brauer und ihr Vater Arik, Oscar Bronner oder Danielle Spera muss man wohl kaum mehr jemandem vorstellen. Das ist einer der Punkte, die man am Buch kritisieren könnte.

Der zweite Kritikpunkt wiegt schwerer: Die biographischen Notizen sind meist sehr kurz und wenig in die Tiefe gehend. Wikipedia ist schon erfunden und so gerät das Buch eher zu einem Lexikon. Ja, es ist interessant zu sehen und zu lesen, wie viele jüdische Wissenschaftler:innen, Künstler:innen und andere auch für die Zeit nach 1945 prägend waren und teilweise bis heute sind. Ja, es war trotz anfänglicher Irritation unsererseits vermutlich eine gute Idee, die Personen in Kategorien einzuteilen wie Literatur oder Wissenschaft. Ja, es ist schön, eine so umfangreiche Namensliste parat zu haben.

Aber vielleicht wäre es doch lohnender gewesen, 100 Menschen (oder allenfalls auch noch weniger) eingehend zu beschreiben als so viele ein- bis zweiseitige Mini-Porträts abzudrucken. Das ändert freilich nichts daran, dass das Buch ein beeindruckendes Nachschlagewerk ist, gut recherchiert und mit vielen Fotos versehen. Beeindruckende Biographien allemal. Das nächste mal gilt dann bitte das gute alte Motto: Weniger ist mehr.

 

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