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Tonträger des Monats September / AUT

SOPHIE ABRAHAM: „Brothers“, cracked anegg records, VÖ 17. 9.  2021

Der Titel dieses ersten Soloalbums treibt einem die Tränen in die Augen, wenn man weiß, wie er zustande kam. Sophie Abrahams Brüder starben 1993 in einer Lawine. Und so ist diese Platte ihnen gewidmet, sie handelt vom Tod und vom Leben, vom Kommen und Gehen. „Brothers“ ist in musikalischer Hinsicht eine mehr als gelungene Verbindung von E und U, die Verlinkung von Klassik und zeitgenössischen Rhythmen. Das Solo meint Sophie Abraham übrigens sehr ernst: Sie hat alle Stücke komponiert, aufgenommen, ausgeführt und produziert.

Die Cellistin, die man in Graz unter anderem durch ihre Arbeit mit Markus Schirmer und Scurdia kennt, hat auch schon mit dem radio.string.quartet, the Little Band from Gingerland oder dem Trio Frühstück für positive Resonanz gesorgt. Diese Platte aber ist der bisherige Höhepunkt ihres Schaffens. Ein Meisterwerk!

Live: 17. 9. 21 B.R.O.T. – 3021 Pressbaum
01. 10. 21 Alte Schmiede – 1010 Wien
08. 10. 21 Österr. Kulturforum Bratislava (SK)
13. 10. 21 Bambergsaal – 9500 Villach
www.sophie-abraham.com

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5K HD: „Creation Eats Creator“, Ink Music, VÖ 10. 9. 2021

Die neue Scheibe der österreichischen „Supergroup“ (©haubentaucher) passt wunderbar als nächstes, ist sie doch „klassischer“, „jazziger“ als die Vorgängerwerke des Quintetts – und ebenso „streicherlastig“ wie die Platte von Sophie Abraham. Die Erklärung: „Creation Eats Creator“ ist weitgehend unplugged eingespielt worden. Martin Eberle, Benny Omerzell, Manu Mayr und Andreas Lettner können so noch viel besser zeigen, was sie draufhaben – und Mira Lu Kovacs bezaubert wieder einmal mit ihrer Wahnsinns-Stimme. Es ist eine intime, reduzierte Platte, die sehr deutlich auf die Herkunft der Band verweist, die in einem schummrigen Jazzkeller genauso brillieren wird wie in einem hippen Club. Wie Manu Mayr im Haubentaucher-Exklusiv-Interview erzählt, war das Porgy & Bess indirekter Pate dieses mutigen Schrittes, der ein wenig wegführen wird von der Heavy Rotation, vom immer stärkeren Hype.

Das Resultat ist nicht einfach nur wunderschöne Musik, es ist auch der Beweis, dass 5K HD eine der besten drei Bands dieses Landes sind, wenn man uns fragt. Alle zuletzt einkassierten Awards: Völlig zurecht. Alle ausstehenden Konzerte: Schwerst besuchenswert. Aus steirischer Sicht geht es zuerst nach Hartberg. Dort tritt Mira Lu Kovacs solo auf und zwar am 15. 9. – die gesamte Band gibt es dann am 23. 10. im Dom im Berg (hoffentlich!).

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JELKA: „Hold Sand“, SILUH RECORDS, VÖ Digital: 3.9.2021; VÖ LP: 22.10.2021

JELKA ist das neue Soloprojekt von Volker Buchgraber, Kenner*innen der heimischen Szene als Frontman von Dust Covered Carpet ein Begriff. Was er kann wie kaum ein zweiter? Kleine Stories erzählen mit den gar nicht so harmlosen Mitteln des Pop. Drei Jahre arbeitete er an der Platte, die er eigentlich – so sagt er – nie veröffentlichen wollte. Gut, dass ihn Bekannte und Fans dann doch vom Gegenteil überzeugten. „Hold Sand“ ist das Überraschungs-Ei des beginnenden Herbsts. Eine Platte, die die Pet Shop Boys gerne noch machen würden. Internationale Klasse? Aber hallo!

Zugleich bekommen wir ein paar Einblicke in das private Leben des Musikers, von Abschieden, dem Neubeginn und dem Brandstifter im eigenen Haus. Zu diesem Song haben wir sogar ein kleines Video für euch vorbereitet:

Und jetzt? Kaufen! Und anschauen: 27.10.2021 – FLUC, Wien.

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PLEASE MADAME:  “Angry Boys, Angry Girls”, Kleio Records, VÖ: 10. 9. 2021

Dominik Wendl (Gesang, Gitarre), Martin Pöheim (Bass, Backing Gesang), Laurenz Strasser (Gitarre) und Niklas Mayr (Schlagzeug, Backing Gesang) aus Salzburg machen Indie-Pop im Breitwand-Format. Die Platte dreht sich um die zornigen jungen Menschen, die hinter Fridays fior Future und anderen Bewegungen stehen. Andererseits ist das kein demonstrativ politisches Album, sondern ein Fest der alternativen Musik. Ein flottes, hinreißendes Stück heimischer Indie. Wir freuen uns auf Live-Termine wie diese:

8. 10. Stadtwerkstatt, Linz
9.10. ppc, Graz
12.10. WUK, Wien

Foto: Lea Foeger

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BANKI MOON: „Manchester – Hamburg – Graz“, Pumpkin Records, VÖ August 2021

Die vier Grazer mit dem zumindest vordergründig recht unbeschwerten Pop werden langsam immer größer, besser, bekannter. Sie hatten heuer vielleicht sogar einen Sommerhit, aber womöglich war die Nummer für Wiener und Hamburger Verhältnisse doch ein bissl zu gemütlich. Kann man sich aber genauso gut im September anschauen und anhören – siehe unten. Die Platte, die mit zwei Musikmetropolen und Schlumpfhausen spielt, ist eine wohltuende Alternative zum hochgetunten Mainstream-Pop und dem Hype-Grunge-Rock, der in Österreich derzeit an allen Ecken und Enden zu hören ist. Wer Banki Moon noch nicht kennt: am 19. 9. im Schloss Kohfidisch und am 25. 9. in der Grazer Griesgasse gibt es demnächst die Gelegenheit, das zu ändern.

So und jetzt das Video, das – soweit wir das erkennen können – bei der ziemlich kultigen „Steinernen Wehr“ aufgenommen wurde.

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KUHLE WAMPE: „Extended“, Waschsalon Records 2020/2021

Leonhard Skorupa, Michael Tiefenbacher und Tobias Vedovelli sind die Begründer des Ensembles Kuhle Wampe. Das klingt vielleicht einfach nach einem seltsamen Bandnamen, bezieht sich aber auf einen kommunistischen Film aus den frühen 1930ern. Wie der Film so will sich auch die Band mit der Gesellschaft auseinander setzen. Kunst ist nicht l’art pour l’art, sondern ein Mittel des politischen Diskurses. So kriegt etwa der Herr Bundeskanzler mit dem „Babyelefanten“ und einem entsprechenden Video eine auf den Rüssel.

Mit dabei ist unter anderem auch Martin Eberle, der uns gerade eben bei 5K HD begegnet ist. Das neunköpfige Ensemble featured außerdem den spannenden Sprachkünstler Christian Reiner.

Auf dem neuen Wiener Label „Waschsalon Records“ hat die Kuhle Wampe ein Doppel-Album veröffentlicht, das pandemiebedingt erst jetzt wirklich in die Gänge kommt. Es ist zweifelsohne ein Nischenprodukt, eine Platte für Liebhaber*innen von Jazz und anderen schräger gelegten Sounds. Mal reinhören?

 

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