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Tonträger des Monats Oktober / Ö

PAUL PLUT: „Ramsau am Dachstein nach der Apokalypse“, Abgesang VÖ 22. 10. 2021

Eigentlich ist das Album noch gar nicht offiziell erschienen, aber eine gewisse Grundaufgeregtheit gibt es schon. Leser*innen, die meinen der Plut müsste dringend als Interviewgast angefragt werden. Die ersten Medien, die schon Rezensionen rausknallen. Also gut, warum auch länger zuwarten?

Der Albumtitel hat uns als Steirerbuam und -dirndln natürlich gefangen. Der Sound, die Grundstimmung ist wie immer bei Herrn Plut auf der schattigen Seite des Dachsteins zuhause. Man meint, Ketten scheppern zu hören, zuweilen könnte auch ein vorzeitig reinkarnierter Tom Waits mit von der Partie sein. Eine Orgel, die es nicht mehr unversehrt in die Kirche geschafft hat. Und der Titelsong wird dir ein Tränchen in deinen verschwollenen Augerln bescheren, jede Wette.

Textlich arbeitet der umtriebige Ramsauer alles auf, was ihm in den Weg kommt. Bauern, die plötzlich Hoteliers sind. Die Asphaltschlange B320. Die geknechtete Natur. Und die Michi, da vorne bei der Kassa vom Billa.

Die Welt des Paul Plut offenbart sich auf dieser Platte als düsteres Biotop, selbst die steirische Apokalypse hat nichts lässig Theatralisches. Nur der Lift, der geht halt leider nicht mehr. Ein monumentales Werk, das in jedes Landeskunde-Package gehört, in jeden aufgeklärten Musikunterricht. Und in jede gut sortierte österreichische Plattensammlung!

Am 20. 10. stellt PP seine neue Scheibe im Wiener WUK vor. Am 21. 10. dann in Hartberg. Und besonders schön könnte der 2. 12. im Klang-Film-Theater in Schladming werden. Tourdaten gibt es hier: https://paulplut.com/live/

Foto Paul Plut © Gerfried Guggi & Florian Lierzer

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KAHLENBERG: „Wiener Zucker“, Affluenza Music VÖ 1. 10. 2021

Frank Hoffmann und Raphael Sas, Dominik Beyer und Dominik Mayr sowie Wolfgang Kanduth, das ist Kahlenberg. Und? Das sollte man gehört haben! Wiener Schmäh mit einem treibenden Drive, den man so echt nicht erwartet hätte. Der Nino hat die Burschen aus dem feineren Teil der Bundeshauptstadt entdeckt, sagt man.  Die gute Herkunft hält man ihnen auch gern im Feuilleton vor. Wird ihnen herzlich egal sein. Mag man sie auch als „neoliberale Antwort auf Kreisky“ sehen wie Reiner Reitsamer vom Musikexpress dies tut. Wer nicht einsieht, dass Punkrock immer auch eine Bewegung von schief gewickelten Bürgerkids war, hat sowieso nichts kapiert. Apropos: Die Kommentare für das unten stehende Video sprechen auch Bände. Aber nicht über die Band, sondern über die Beschränktheit der Leute da draußen. Kahlenberg, Leute, das ist das Missing Link zwischen den Ninos und den Wandas. Das ist das, was ihr dringend gebraucht habt. Eine freche, goscherte Partie, die richtig viel Spaß macht. Das hat auch der Molden verstanden, der da ein bisschen die Finger im Spiel hatte. Fast hätten wir die Platte übersehen, aber jetzt freuen wir uns wie die Schneekönige. Wie über einen Doppelsieg in Kitzbühel. Mindestens.

Live: 14. 10. 2021 Chelsea / Wien
21. 10.2021 Orpheum / Graz – Support für den Nino aus Wien

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TAPE MOON: “Absent”, Mottalon Music VÖ: 1.10., digital & coloured vinyl!

Michael Naphegyi, das ist der von Rosi Spezial, Teleport Collective, Killah Tofu oder Mamma Fatale. Ein verdammt guter Drummer, der auch mit elektronischen Gerätschaften umgehen kann wie kaum ein zweiter hierzulande. Das neue Projekt und die neue Platte, das könnte unserem diesmonatlichen Podcast-Gast Mia Zabelka gefallen. Weil: Coole Sounds mit experimenteller Note. Ohne Rücksicht auf mögliche temporäre Reichweitenverluste. Aber andererseits mit ein paar exzellenten Hammer-Tracks. Sagen wir ruhig Souveränität dazu. Eines muss euch aber auch klar sein, liebe Leute, „absent“ ist nicht. Die Platte braucht eure Aufmerksamkeit. Das hört sich nicht einfach so nebenbei. Wir lieben das mittlerweile heiß und hören es rauf und runter. Schenkt ihm euer Gehör, liebe Leserleins, ihr werdet es nicht bereuen!

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DIVERSE: „Sing Sang Song 2“, Pumpkin Records

Wir haben schon Teil 1 gern gehört und gern besprochen. Aber eigentlich haben wir das Konzept erst jetzt wirklich durchschaut. Das sind zwar Kinderlieder, aber sie sind gar nicht für Kinder gedacht. Ätsch! Naja vielleicht für ein paar sehr interessierte und aufgeschlossene kleine Sympathieträger*innen, aber eigentlich sind WIR die Zielgruppe. Wir, die in die Jahre gekommenen Indie-Fans, die Leute, die gern schrägere Kombis hören als uns das irgendein Hit-Radio servieren kann.

Und damit wird das Ganze dann auch wirklich sinnvoll. Denn Robert Rotifers Bärenpicknick würde die lieben Kleinen doch genauso verstören wie Kreiskys Hymne an das Anderssein „Haha“. Wie bei Teil 1 ist auch diesmal eine kleine Armada an sehr guten heimischen Musiker*innen am Werk. Zu den Highlights würden wir neben dem erwähnten Rotifer und den Kreiskys auch den Molden zählen, Sigrid Horn samt Miguel, Bender und Pippa. Überraschung: Das ist am Ende doch einiges dabei, das man dann vielleicht sogar dem Nachwuchs vorspielen könnte. Aber letztlich bleibt diese CD im elterlichen Player. Mit Vergnügen.

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LAIKKA: “Morning Glow”, Fabrique Records VÖ 22.10.

Das Duo, das sich erst 2020 formiert hat, gilt in gut informierten Kreisen schon als die nächste sehr heiße Sache. Laikka hat nun die erste LP am Markt und jetzt wäre es dann auch an der Zeit, ein bisschen an der Kommunikations-Schraube zu drehen. Zum Beispiel auf der Website ein bisserl was über die Personen hinter dem Projekt zu erzählen. Oder die Social Media Kanäle mit etwas mehr als nur Begeisterung über die Debut-Platte zu füllen. Ja, wir wissen eh, irgendwann ist das mit der PR anscheinend uncool geworden. So bleiben uns 10 Nummern, die ansatzweise gut sind, vielleicht sogar sehr gut. Aber auch ein klein wenig hohl, ein bisschen unterkühlt. Zu den Pet Shop Boys des 21. Jahrhunderts fehlt da schon noch eine Portion Feuer & Fieber, Burschen.
Aber hört und seht selbst:

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