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Buch des Monats

Bierbuch des Monats

Johanna Bergmayr, Clemens Ettenauer (Hg.): „Craft Beer Guide Österreich“, Holzbaum Verlag 2017

Craft Beer, das Gegenteil von seelenlosem Industriebier, boomt. Entsprechende Festivals locken nicht nur Fachleute an, sondern auch immer mehr Menschen, die neue Geschmacksrichtungen kennen lernen wollen. Darüber freuen sich die (kleineren) Bierbrauer – und die Verlage! Immer neue Bücher über Bier erscheinen, dieses hier ist übrigens eher ein Büchlein als ein „Guide“, den man sich doch umfangreicher vorstellt. Und auch wenn wir den Holzbaum Verlag lieben und ehren wie kaum einen zweiten, diese Publikation kann man leider nicht als besonders gelungen bezeichnen.

Der Ansatz, interessierte Amateure kosten und bewerten zu lassen, mag okay sein. Andererseits kommt in der kritischen Auseinandersetzung oft der eigentliche Geschmack zu kurz gegenüber Geruch und Kohlensäure. Erfrischend ist, dass die Urteile durchaus nicht nur positiv sind, das eine oder andere Bier schnitt sogar schrecklich ab.

Alles Geschmackssache, keine Frage. 

Was uns aber stört, ist die Aufmachung des Buches. Wer selbst die Kategorie „Design“ bewertet, sollte mehr zu bieten haben als düstere Handy-Fotos von Bierflaschen. Bei vielen Produkten fehlt überhaupt jede Abbildung, obwohl durchaus Platz gewesen wäre. Noch fragwürdiger ist die Auswahl. Gut, es gibt mittlerweile unglaublich viele Craft-Brauer, aber im Guide fehlen einige der interessantesten Marken. Bierol hätte aufgrund der Bedeutung in der Szene ebenso in die Sammlung gehört wie Wimitz aus Kärnten. Aus steirischer Sicht ist etwa das Fehlen von Forstner unverständlich. Und weil wir schon dabei sind: der oststeirische Bierbrauer Gratzer heißt Alois und nicht wie im Guide Roland (das ist der vom Radio). Auch die Auswahl der getesteten Biere ist zu hinterfragen. Bei manchen Brauereien werden gleich acht Produkte verkostet, dafür ignoriert man zum Beispiel beim Loncium die Standardbiere des Hauses wie das „Classic“ und das „Helle“ völlig.

Was einen Guide auch ausgemacht hätte: Ein bisschen mehr Einleitung ins Thema. Wenn man schon Begriffe erklärt, dann hätte man etwa gerne etwas über Indian Pale Ale berichten dürfen, das sich derzeit in Österreich ja auch steigender Beliebtheit erfreut. Auch die Spezialgeschäfte wie Dr. Bottle oder die Bierboutique in Graz, die maßgeblich zum Boom des Craft Beers beigetragen haben, hätten sich mehr verdient als nur eine kurze Auflistung. Wenn wir ebenso wie die AutorInnen des Guide eine Schulnote verteilen müssten, wäre das daher nur ein schwacher Dreier. Schade…

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