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Musik

Tonträger des Monats Feber

Son of the Velvet Rat: “Dorado” CD/Vinyl: Fluff & Gravy / digital: Mint 400 VÖ 17/02/2017

Der Grazer Sänger & Songwriter Georg Altziebler, den es mit seiner kongenialen (musikalischen) Begleiterin Heike seit geraumer Zeit häufig in die Staaten zieht, hat dort auch sein neues Album produziert. An den Reglern in Culver City stand Weltklassemann Joe Henry. Nach drei Jahren Longplayer-Pause ist Altziebler mit seinen musikalischen Weggefährten wieder ein rundum exquisites, sehr zurückgenommenes Werk gelungen. So reif und gut abgehangen wie seine Stimme mittlerweile klingt, ist er natürlich bei weitem noch nicht. Aber vielleicht ist das Überschreiten der statistischen Lebensmitte dafür verantwortlich, dass “Dorado” auch eine kleine Hommage an die Altmeister der US-Musik ist – Leonard Cohen beispielsweise hätte mit der Platte seine Freude gehabt.

Mehr Americana kann man schwer sein, so sieht das auch die Musikpresse, die sich schon vor dem Veröffentlichungsdatum am 17. 2. mit Lobeshymmen einstellt. Wenn auch die Landstraße, das Unterwegssein, als Motiv vordergründig dominieren mag, so handelt SOTVR auf “Dorado” alle großen Themen des Rock’n’Roll und des Folk ab, von der Liebe bis zum abgefuckten Motel und dem einsamen Surfer. Wenn die Schuhe blutrot sind, erinnert das lakonische “Lalala” an Nick Cave, andere Stellen lassen in schöner Erinnerung an das jüngste Album von Chris Eckman denken. Dorado heißt im spanischen Original “golden”. Und das ist diese Platte in jeder Hinsicht.

Foto: Rebecca Korb

Son of the Velvet Rat kommt Anfang März auf Heimat-Tour, ist mehrmals in Graz und Wien, erfreulicherweise auch quer durch die Provinz unterwegs. Der Haubentaucher wird berichten.

3. 3. 2017 | Blue Garage | Hinterleitenstraße 40a, 8523 Frauental
4. 3. 2017 | Dachbodentheater | Mittergasse 11-15, Bruck/Mur
10. 3. 2017 | Lichtspiele Gerungs | Unterer Marktpl. 25, 3920  Groß Gerungs
11. 3. 2017 | Theater am Saumarkt | Mühletorplatz 1, 6800 Feldkirch
17. 3. 2017 | Die Brücke | Grabenstraße 39, 8010 Graz
18. 3. 2017 | Galerie Rauminhalt  | Schleifmühlgasse 13, 1040 Wien
23. 3. 2017 | Schloss Hartberg | Herrengasse 1, 8230 Hartberg
25. 3. 2017| Real Music | Wilhem-Külz-Straße 54, 01979 Lauchhammer, D
31. 3. 2017 | Spring Festival Feldbach
1. 4. 2017 | Ku:L Öblarn | Öblarn 26, 8960 Öblarn
7. 4. 2017 | Lendhafen |  Villacher Straße 18, Klagenfurt
8. 4. 2017 | Astnersaal | Andreas Hofer Platz 2, 6300 Wörgl
20. 4. 2017| KUD Channel Zero | Metelkova 4, 1000 Ljubljana, SLO
5. 5. 2017 | Container25 | Hattendorf 25, Wolfsberg
6. 5. 2017 | Kulturkeller | Weizer Straße 19, 8200 Gleisdorf
12. 5. 2017 | Marenzihaus |  Bahnhofstraße 14, 8430 Leibnitz
13. 5. 2017 | Sargfabrik | Goldschlagstraße 169, 1140 Wien
19. 5. 2017 | Kino Ebensee | Schulgasse 6, 4802 Ebensee
20. 5. 2017 | PPC |  Neubaugasse 6, 8020 Graz

Paul Dempsey: “Strange Loop”. CD/digital, Greywood Records  VÖ 24/02/2017

Die hätten eigentlich gemeinsam auf Tour gehen können. Der Australier Dempsey, bekannt und geschätzt vor allem auch als Frontman von “Something for Kate”, würde zu Son of the Velvet Rat sehr gut passen. Dempsey, abgeklärter Poet mit jeder Menge Lebenserfahrung, hat mit seinem zweiten Solo-Album eine wunderbare Platte erarbeitet – und dieses Verb ist berechtigt. Begonnen hat er bereits 2013 mit den ersten Song-Ideen, in den nachfolgenden drei Jahren war nicht immer viel Zeit bei all den Touren mit der Band. Dazu kommt noch, dass Dempsey einer ist, der intensiv an den Texten feilt, was man als Nicht-Native leider nur in Ansätzen mit bekommt. Fertig gemischt war die Platte dann in erstaunlich flotten zwei Wochen. Entscheidende Mitarbeit kam von Tom Schick, der auch bei Wilco und Ryan Adams schon seine Hände im Spiel hatte. Hektik spürt man jedenfalls keine, die Songs sind wunderschöne reduzierte Perlen, die in der Februarsonne zaghaft zu strahlen beginnen. Ein Album für alle, die Singer-Songwriter-Musik lieben. Demnächst auf Tour. Die Steiermark, unser Haubentaucher-Heimatland, hat man leider bei der Planung übersehen. Na dann müssen wir wohl nach Wien oder Klafu…

17.03. St. Georgen, Bar Fümreif
18.03. Wien, Haus der Musik
19.03. Klagenfurt, Lendhafen Café
20.03. München, Trachtenvogl

Foto von Paul Dempsey: Cybele Malinowski

robot: 33. (3). Vinyl/digital, Impression Recordings VÖ 27/01/2017

Robot, so sagt man, kommt aus England, hört manchmal auf den bürgerlichen Namen Robbie A.J. Moore – und hat seinen Exit nach Berlin sicher nicht bereut. Man würde vielleicht Techno oder Electro vermuten, wenn man das hört, in Wahrheit schreibt der sehr humane und ganz klar androgyne Roboter  hinreißende Liebeshmynen, die teilweise in Sekundenschnelle von großer Kunst in Kitsch tauchen und augenblicklich wieder retour. Stimme des Jahres, das trauen wir uns schon im Februar behaupten. Eine außergewöhnliche und vor allem variantenreiche Platte, manchmal fühlt man sich ein klein wenig an Nomi erinnert, dann wieder an die Hadern von Roy Orbison. Oder sagen wir es einfach ganz klar: Das hier ist der legitime Nachfolger von Bowie. Und drunter tun wir es nicht! Hört euch nur mal den Song “Animals” an und dann “Bones”. Kaufen, runterladen, sofort!

N-A-I-V-E-S: “N-A-I-V-E-S”. CD/digital, La Peau Records VÖ 27/01/2017

Am Ende wird es noch mal so richtig bunt. Das Debut des Electro-Dance-Duos aus London fängt ein bissl gar flockig-seicht an, aber von Nummer zu Nummer steigert sich die Platte – oder man gewöhnt sich an das bunte poppige Durcheinander. Das gar nicht depressive, sondern eher quietschentenfröhliche “No Way” schaffte es sogar auf die Favoritenliste “Track der Woche” der BBC. Der Engländer Marc Jacc lernte seinen Kumpel DJ LApo Frost in einem Pariser Club kennen und sie entdeckten nicht nur musikalische Übereinstimmungen, sondern auch ein gemeinsames Faible für den Maler Henri Rousseau und seine farbenfrohen tropischen Waldbilder. Seit 2012 spielen die beiden nun als Duo, erstaunlich, dass es erst heuer zu einem ersten großen Album kam. Der Sound erinnert laut Pressetext an Phoenix und Prince, wir hätten eher die UK Synthie-Szene der ausgehenden 1980er und 1990er Jahre als Inspiration vermutet. Da sind einige echte Prachtstücke versteckt wie “Jugular Vein”, manches klingt dann aber auch ein bissl gar nach Hit-Kalkül. Jedenfalls genau das Gegenteil von dem, was man bei uns gerade im Indie-Bereich produziert und so gesehen: Eine ausgesprochen nette Abwechslung. Für alle sonnigen Gemüter der richtige Start in den Frühling. www.naives.co.uk

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