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Vor- und Nachschau des Monats

Markus Schirmer & Wolfram Berger: Schneebesengestöber. Ein himmlisches Vergnügen
4. Dezember 2012, Graz Stadtpfarrkirche

Der Pianist Markus Schirmer und der aus Funk und Fernsehen bekannte Schauspieler Wolfram Berger treten morgen in Graz auf. Der Haubentaucher hat Markus Schirmer nach den Hintergründen dieser ebenso ungewöhnlichen wie unterhaltsamen Kooperation gefragt. Am Ende dann ein kurzer Bericht nach der Vorstellung…

Wie, wann und wo habt ihr einander kennengelernt?
Schirmer: Ich glaube, es war 1995, als ich bei Julia Reicherts allererstem Kabinetttheaterprogramm den musikalischen Conferencier gab. Das hat ihn laut seiner Aussage so begeistert, dass er mich spontan ansprach, ob wir nicht etwas zusammen machen wollten. Es handelte sich dann um einen Valentin-Abend im ORF Steiermark, wo ich hauptsächlich improvisiert habe, das Ganze wurde ein veritabler Erfolg, dann kamen schon bald die „Engel“…  
Wie hieß euer erstes Programm, wovon handelte es und wo seid ihr erstmals gemeinsam aufgetreten?
Schirmer: Das erste Programm heißt ENGEL IM KOPF und wir spielen es noch immer mit größtem Vergnügen. Zu beschreiben ist es kaum, Jeder von uns macht das, was er am liebsten macht. Wolfi rezitiert Texte von Heinrich Heine, Hugo Ball und dem norddeutschen Satiriker Axel Maria Marquardt, ich spiele Schubert, Chopin, Bach und viel Schirmer. Es geht von still und ernst bis saublöd zu. Die Premiere fand im Basler Tabourettli statt. Wolfi hat gleich 3 Wochen im voraus gebucht, obwohl wir uns erst wenige Tage vor unserem Debut trafen und alle Puzzleteile in rasender Geschwindigkeit wie selbstverständlich zusammenfügten. Diese „Arbeitsweise“ haben wir bis heute beibehalten.
Worum geht es im neuen Programm?
Schirmer: Schneebesengestöber – ein himmlisches Vergnügen ist ein Programm, das gut zur Advents- und Weihnachtszeit passt. Wärmende Texte, denen allerdings auch oft der Schalk im Nacken sitzt. Es gibt Ringelnatz, Borchert, etliche Überraschungspackerln, die ja noch nicht verraten werden dürfen und ich finde musikalisch immer wieder zu Robert Schumann zurück, aber natürlich schleicht sich auch das eine oder andere Weihnachtslied ein, wenngleich man es als solches vielleicht gar nicht so richtig erkennen kann.
Was sind die Herausforderungen bei einem Auftritt in einer Kirche wie in Graz?
Schirmer: Da wir uns nicht so gern einen Maulkorb umhängen lassen und da wir wissen, dass der liebe Gott ja auch ein lustiger Mensch ist, da er uns alle sonst nicht erschaffen hätte, machen wir einfach das, wo wir glauben, dass es auch in eine Kirche passt. Und ich denke, wir haben da schon ein gutes Gespür dafür, was geht – und was auch geht.
Wie weit spielt Improvisation bei euren Auftritten eine Rolle? 
Schirmer: Wir kennen uns so gut und das bietet natürlich ungeahnte Möglichkeiten, weil ich oft schon weiß, welchen „inneren Rhythmus“ Wolfi gerade hat und ich mich mit diesem dann synchronisiere. Da zischen wir dann auf derselben Wellenlänge durchs Kunst-All.
Wo seid ihr mit dem neuen Programm noch überall zu sehen?
Schirmer: Für heuer ist mit Graz erstmal Schluss, aber für 2013 ist es wieder in einigen Städten geplant. Ausserdem wird es im nächsten Jahr auch das „echte“ Nachfolgeprogramm von „Engel im Kopf“ geben, nämlich „Alaskagrill – ein Abend unter falschem Namen“, auf das freuen wir uns schon sehr und werden damit auch recht intensiv auf Tour sein. 
© Foto: Lizz Krobath

Update: So war’s

Prall gefüllt, fast schon überbucht. Kirchenkühl. Akustisch teilweise grenzwertig. Unterhaltsam. Lustig. Berührend. Mutig. Während man das Klavier wohl von allen Stellen der Kirche gut hörte, war Herr Berger anfangs schwer zu verstehen. Die Situation besserte sich und so können wir sagen, dass es ein feiner Abend war mit zwei bestens aufeinander „eingespielten“ Künstlern. Höhepunkte waren wohl der Text über die zugefrorene Hölle, der übrigens an diesem Ort nicht jedem schmeckte, und die Kinderbriefe an Weihnachtsmann respektive Christkind. Und natürlich die köstlichen Variationen von Markus Schirmer an seinem Fazioli. Weihnachtlich? Auch, aber glücklicherweise nicht nur.

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