Frédérique Cournoyer Lessard: Scuse.
Frédérique Cournoyer Lessard wuchs in Quebec auf und studierte den Luftreifen (aerial hoop) an der National Circus School of Montreal und Filmproduktion an der Concordia University. Frédérique arbeitet zwar mit Zirkustechniken, bringt diese allerdings in eine vergleichsweise neue Form, eine politische, aktivistische, auch sehr persönliche bis intime.
In „Scuse“ erzählt Frédérique von der eigenen Kindheit und Jugend, vom seltsamen Gefühl in einem möglicherweise falschen Körper zu leben, von Mobbing und vielen Unsicherheiten, von einer feministischen Mutter, der Schwester, dem ersten Freund und dem wachsenden Gefühl, missbraucht zu werden.
Das Programm wechselt zwischen direkter Ansprache des Publikums, Artistik und autobiographisch fundierten Multimedia-Elementen. Das eigene Heranwachsen so detailliert und analytisch zu behandeln, das war neu im Zirkus, weshalb man für Programme wie „Scuse“ mittlerweile den Begriff „documentary circus“ verwendet. Charakteristisch für Frédériques Arbeit ist dabei nicht nur die Konfrontation mit non-binärem Leben, Macht und Gewalt, sondern auch der Einsatz cineastischer Technik. So wird ein Kubus zur Leinwand, Stimmen werden mit kleinen Lautsprechern durch den Raum transportiert und zwischendurch gibt es Girl-Pop mit enormer Lautstärke.
Das Publikum im Next Liberty ist spürbar bewegt und dankt mit langem, fast nicht mehr endenwollendem Applaus. Frédérique, aufgewachsen ohne Role-Models, ist nun selbst ein solches geworden. Merci!
Foto: © La Strada Graz / Nikola Milatovic