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Buch des Monats Theater

Krieg und Frieden

Die Waffen nieder!
Nach dem Roman von Bertha von Suttner, Schauspielhaus Graz

Die Erweiterung des Kanons, der man sich im Schauspielhaus Graz verschrieben hat, geht in die nächste Runde. Diesmal bringen Regisseurin Sandra Strunz und Dramaturgin Anna-Sophia Güther einen Roman auf die Bühne, der bereits 1889 erschien und seither nichts von seiner Wirkung verloren hat. Die Journalistin, Autorin und spätere Friedensaktivistin Bertha von Suttner war erschüttert von vielen Schlachten, die in Europa im 19. Jahrhundert tobten. Ihr Werk, nicht frei von Redundanzen, die für die Bühnenfassung weitgehend bereinigt wurden, erzählt die Geschichte von Martha, ihrem kriegserprobten Vater, ihrer Schwester, dem Sohn Rudi und jeder Menge Männer, die im Laufe der Handlung ihr Leben lassen müssen.

Die grandiose Marielle Layher spielt sich mit der Martha beinahe wortwörtlich die Seele aus dem Leib. Ihr Leiden wird greifbar, ihre Abneigung gegen den mörderischen Krieg erfüllt den Raum. Zuerst verliert sie ihren geliebten Arno, dann auch noch Friedrich. Ihren Vater fordert sie immer vehementer auf, sich doch endlich gegen das sinnlose Sterben auszusprechen. Dieser, von Anna Rausch hingebungsvoll verkörpert, hält lange an seinen Idealen fest und trauert der Zeit nach, als er noch Feinde niederstrecken konnte. Noch eine Schauspielerin gilt es zu feiern: Luisa Schwab, die Rudi vom brabbelnden Baby bis zum reifen Mann darstellt. Ja, Sie lesen schon richtig, die Geschlechterbilder geraten in der Inszenierung ins Wanken. Und selbst das oft so strenge Premierenpublikum scheint sich nicht daran zu stoßen. Dominik Puhl, der auch als Cousin Konrad vorwiegend in Kleidern und Röcken zu sehen ist, brilliert wie eh und je. Für die Überraschung des Abends sorgt Musiker Rainer Süßmilch, der bei der Premiere für den erkrankten Zeljko Marovic einspringt und gleich drei Rollen souverän präsentiert. Annette Holzmann als Schwester Marie und Mario Lopatta als Friedrich Tilling komplettieren die ausgezeichnete Leistung des Ensembles.

Die Inszenierung beginnt fast heiter. Mit Stechschritten und einem Marsch. Dem Baby im Kinderwagen. Liebesbekundungen. Einer Choreographie, die zunehmend abstruser wird. Denn nun zieht die Katastrophe immer weitere Kreise und am Ende gibt es im wahrsten Sinne ein Blutbad. Die Kostüme zu reinigen und die Bühne wieder sauber zu bekommen, ist nach diesem Abend sicher keine Kleinigkeit.

Hat sich der Versuch gelohnt, den fast schon kämpferischen pazifistischen Roman der österreichischen Friedensnobelpreisträgerin ins Theater zu bringen? Dazu ein uneingeschränktes Ja. Leichte Kost ist das Stück naturgemäß nicht. Die Dauer mit ziemlich genau zwei Stunden ist zudem durchaus fordernd. Das Verdienst, Bertha von Suttner wieder in den Diskurs zu bringen, die man hierzulande fast nur mehr von Straßennamen und früheren Geldscheinen kennt, ist beachtlich. Die Forderung der Adeligen aus Böhmen, die in Wien zu einer Vorreiterin der Friedensbewegung wurde, gilt heute mehr denn je. Die Waffen nieder! Ihr blutrünstigen Kriegsherrn in Ost und West.

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Termine und Tickets unter schauspielhaus-graz.buehnen-graz.com/

Foto: Lex Karelly 

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