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Tonträger des Monats November

Oliver Welter: „Dås wird nix mehr″, Medienmanufaktur Wien, VÖ: 20.11.2026, digital/Vinyl

Eines hätte ich mir nie gedacht. Dass ich eines Tages da sitzen werde und voller Begeisterung so was wie Kärntnerlieder anhöre. Immer und immer wieder. Seit 20. Oktober, als das erste Info-Mail vom Label hier eintrudelte. Mittlerweile steht da auch eine Vinyl-LP, die ich um kein Geld der Welt wieder hergeben würde. Und die ihr euch jetzt gleich bestellen solltet. Weil?

Oliver Welter ist einer, der neben der landestypischen Tristezza vor allem Wut und Widerstand, aber auch so etwas wie Euphorie in diese Songs gießt. Kärntnerlieder mit Widerhaken also und frei von Schmalz. Kärntnerlieder, die den Kornblumenträgern ein Schnackerl nach dem anderen bescheren werden. Und wenn Welter schon bei Abrechnungen ist, gibt es auch gleich noch mindestens einen Trennungssong oben drauf. Gäbe es da draußen in den Wirtshäusern noch Jukeboxen, dann sollte man zwischen Wolfsberg und Mallnitz jede davon mit Liedern von Oliver Welter befüllen. Damit’s amol a Gaude gibt in da Hittn!

Das Album des Jahres?
Was sonst?

Eines hätte ich mir nie gedacht. Dass es möglich ist, so zu singen, ohne dass es auch nur eine Sekunde peinlich oder unangenehm wird. Der Mensch kann sogar Kärnt-EN reimen, wenn er es braucht. Und selbst das geht sich aus. Was diese Platte auch so speziell macht, ist die analoge Aufnahme von Thomas Pronai in der Cselley Mühle in Oslip/Uzlop. Respekt an dieser Stelle auch an Ernst Molden, der seine Finger mit im Spiel hatte. Was macht ihr am 17. Dezember? Ach ja, da seid ihr ja im Stadtsaal Wien. Beim Oliver Welter.  Yippie, yippie yeah!

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soulparlez: „All We Need“, Kats Records, VÖ: 23.10.

© Isabella Hewlett

So ziemlich das genaue Gegenteil vom Welter. Aber auch das ein außergewöhnlich spannendes Album. Eine der Überraschungen des Monats, wenn ihr so wollt. Die vier Musikerinnen bewegen sich zwischen Indiepop, großem Kino und A cappella. Die Stimmen tragen durch die neun Songs. Aber ansonsten passiert hier alle paar Augenblicke etwas, mit dem man so nicht gerechnet hat. Hymnisch, mitreißend. Durchaus auf den Effekt bedacht. Aber in der nächsten Sekunde schon runter gechillt auf ganz leise. Immerhin wurde das Album auch schon in einer Kirche präsentiert. Und am 13.11. im Radiokulturhaus. Gleich in den Kalender eintragen, liebe Wiener:innen! 

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Takeshi’s Cashew: „Planet Odyssey 64“, Siluh Recors, Vö 30. 10., col. LP / CD / Tape / digital   

Ha! Ein Konzeptalbum für Gamer:innen und DJs, die auf der Suche nach originellen Tracks sind. Takeshi’s Cashew haben schon einige Experimente hinter sich. „Analoger Cosmofunk“ nennt die Plattenfirma das bisherige Schaffen. Aber irgendwann war es Zeit für Neues. Oder besser für neues Altes. Mit dem Planeten Odyssey 64 haben sich die sechs Musiker ein eigenes Universum geschaffen, das nicht umsonst an den legendären Commodore, aber auch an die wilden 70er Jahre erinnert. „Kraut“ lautet schließlich auch einer der Tags, mit denen die Band ihr Album versehen hat.

Alte Synthies werden zu neuem Leben erweckt. Die Tracks machen enorm viel Spaß und könnten mit etwas Glück auch in den Clubs von Mittel- bis Nordeuropa für Stimmung sorgen. Am 4.12. geht es in Wien im Kollektiv Kaorle los. Vor allem im Frühling sind die sechs dann auch in zahlreichen deutschen Städten unterwegs. Wenn ihr mal reinhören wollt und euch die nächsten Tourstopps checken möchtet, hier geht’s lang: Bandcamp.

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le_mol: „Split Split“, Noise Appeal Records VÖ 16.10.26, digital/Vinyl

Als wäre nicht eh schon alles da draußen gespalten bis zum Umfallen. Jetzt nehmen die zwei von le_mol auch noch sieben Songs auf, die allesamt mit „Split“ beginnen. „Musikalisch bietet ’SPLIT SPLIT’ eine Mischung aus melancholischem Post-Rock und Shoegaze ergänzt durch Elemente aus Post-Punk, Ambient und Industrial“, weiß der Pressetext. Ein einziges Musikrätsel also? Nein, wir sehen das eher als durchgängiges Konzeptalbum und als Musikrichtung hätten wir noch den Jazz hinzugefügt. Ja klar, nicht in der klassischen Form, aber hört rein und ihr werdet uns womöglich recht geben. Das mit der Monotonie sollte man auch erwähnen. Das mag man oder es nervt einen. Ehrlich gesagt, gehören wir mittlerweile zur zweiten Gruppe. Aber wir wissen, dass es da draußen genug Leute gibt, die das auch live lieben werden. 

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Jigsaw Beggars: Lackluster, Pumpkin Records, VÖ 20. 11. 

„Nicht zu leise hören“, schreibt der Presse-Beggar im Begleitpapier. Keine Angst, das war eh nicht der Plan. „Lackluster“ soll so etwas wie glanzlos oder farblos heißen. Aber das ist natürlich nicht wirklich das Ziel der Platte. Vielmehr tauchen die vier Beggars mit ihrem zweiten Album wieder bis zum Hals in die 60ies und 70ies ab. Oder auch nicht. Denn es gibt hier kein Verharren in den schillernden Zeiten der Pop-Musik. Gesucht wird eher, was man aus dieser Zeit in die Gegenwart herüber retten könnte. Und bevor wir hier zu philosophisch werden, lasst es uns gerade heraus sagen: Das ist eine geile Scheibe, die nicht glaubt, dass sie irgendwem irgendwas beweisen muss. Anspieltipp: Nr. 5 „I can see“.

Passt wunderbar zum ohnehin recht farblosen November mit seiner ewigen Dunkelheit. Passend auch für Zeiten, die trotz mancher Überraschungen auf dem politischen Parkett so richtig cool nicht sind. „Where should I start“ sorgt da nach einem verhaltenen Beginn für die richtige Mood. Und so gleiten wir durch eine Platte, die nicht zuletzt auch durch ihr alles andere als glanzloses Artwork besticht. Live 20. 11. im fanialive in Wien und am 28. 11. im ppc Graz.

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Ignaz Tschinön: „Parasympathicus“, monkey. / Gspusi Records, VÖ 16. 10.

Matthias Nowak gilt in Wien mit seinem Pseudonym Ignaz Tschinön als so was wie ein kultiger Geheimtipp. Sagt man. Die Platte verbindet Jazziges mit Funk, Hip-Hop mit Soul. „Soll sein“. Wir sagen es ganz ehrlich: Wir waren skeptisch. Sehr skeptisch. Label-Boss Gröbchen musste da ein E-mail mehr schicken als üblich. Folgsam hörten wir rein und… die Skepsis war immer noch da.

Aber dann: Bei Track Nr. 3 „Normale Milch“ begann hier plötzlich alles zu shaken und die Frau kam rein und shakte gleich mit und da wussten wir, dass wir das mögen und einfach darüber hinweg sehen, dass der Künstlername … naja. Es ist nämlich so: Das ist ein sehr sehr cooles Album, sehr wienerisch, eh, aber yes, wir schwingen hier schon wieder. Die Release-Show haben wir schon verpasst. Aber vielleicht mag der Matthias ja bald wieder spielen? Dann wär es super, wenn uns der Gröbchen wieder ein E-mail schickt. Und ihr hört euch das jetzt bitte an und dann schreibt ihr einen Kommentar unter dieses Posting, das ihr auch gerade begeistert seid. Oder?

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Felix Kramer: „LIVE“, Medienmanufaktur Wien, VÖ: 30.10.

Streichquartett, Bläser, Percussion und Band, vor allem aber: Stimme und Gitarre. Und das Publikum 2024 im Flucc und 2026 im Stadtsaal Wien. Das hier ist das erste Live-Album von Felix Kramer. Eine entspannte Platte, die das Schaffen des Wiener Musikers in kompakter Form sammelt und dabei auch ein wenig an dies und das erinnert, wie zum Beispiel die Poesie einer Anna Mabo oder an den Nino.

„Wann weiß man eigentlich, dass man gut genug ist?“
Jetzt! Respektive am 7. 11. im Orpheum Wien.

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Zwanzga: Es is ma wuascht. Wia de Sunn Records, VÖ Sept. 2026

Salzburg also. „Drei Akkorde und a schiefes Maul“. Fesches oranges Vinyl. Aber was ist das hier eigentlich? Liedermacher-Sound anno 2026? Austro-Punk? Ist Ulli Bär wieder auferstanden und in den Untergrund abgewandert? Eigentlich wuascht, was unser wirrer Kopf sich da zusammen reimt. Weil das hier nämlich erstens Spaß macht und zweitens sehr echt ist. Oder wie sagt der große Franz Adrian Wenzl aka Austrofred: „Das Meisterstück ist, das Einfache und das Kunstvolle reizvoll zusammenzubringen – im Koordinatensystem aus Austropop und Velvet Underground wurde dabei ein Sweet Spot gefunden.“ 

Der Zwanzga hat großes Glück, denn wer Menschen wie Didi Neidhart, Paul Plut, Michael »Stootsie« Steinitz oder Paul Konarski an seiner Seite hat, dem kann alles ein bissl mehr „wuascht“ sein. Und genau so hört sich die Platte an. Kein Wunder, dass das dem Fred gefällt. Uns übrigens auch sehr. Danke für eure Hartnäckigkeit, Leute. Beim nächsten Album wird alles leichter. Und für euch da draußen: am 27. 11. in Saalfelden gibt es die nächste Chance für eine lässige Portion Wuaschtigkeit. Prädikat: Nicht egal!

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