Kategorien
Künstler/innen Musik

Tonträger des Sommers

RADICAL FRIENDSHIP THEORY, VÖ 31. 7. 2026

Robert Rotifer muss man in Österreich wohl niemandem mehr vorstellen, die oder der auch nur einen Hauch Ahnung von Popkultur hat. Für den Fall, dass wir DIR jetzt gerade zu nahe getreten sind: Kein Stress, der Rotifer ist demnächst bei uns im Podcast zu Gast. Als zweiten dieser interessanten Band-Anti-Band sollte man Kenji nennen, Ex-Sänger der deutschen Sunshine-Pop-Partie Friedrich Sunlight. Dann gibt es da den einstigen Glam-Meister John Howard, das Wiener Talent The Zew, die Punk-Legende Helen McCookerybook (The Chefs!) und Drummer Ian Button von der Insel. Das klingt spannend und zwar nicht nur hier als Text, sondern vor allem auf der Platte. Sehr britisch, sehr stylish, Songs wie aus der Zeitmaschine. Poetisch, verträumt, mit Anklängen an alles, das UK-Pop einst groß und wichtig gemacht hat. Eine 5-Sterne-Platte, die in eure Sammlung gehört!

***

DER NINO AUS WIEN: NEUBAU alone. VÖ 14. 8., Medienmanufaktur Wien digital und Vinyl

Wer gedacht hat, er kennt den Nino in- und auswendig, der hat sich geschnitten. Das zeigt das Wiener Ausnahmetalent mit dieser unkonventionellen und zugleich sehr persönlichen Platte. Die Gitarre gehört noch mal ordentlich gestimmt, denkt man sich beim ersten Song. Aber dann merkt man: Das ist Programm. Ungehobelt wird drauf los gespielt und philosophiert. Homerecording pur. Der Nino ganz allein (nicht nur in Neubau aufgenommen) und seine Klampfn. Er singt über den Häfn, über das liebe Geld und die noch liebere (aber vielleicht doch unerfüllte) Liebe. Eine grenzgeniale Skizze von einem der allerbesten Singer-Songwriter dieses Landes, der mit der Neubau-Platte auch seine punkige Seite zeigt.

Albumpräsi: 14. 8. 2026, Theater im Park Wien

***

STOLEN KIDNEYS: Melankolia. VÖ 26. Juni 2026, Vinyl, The Ghost Is Clear Records (USA), Bloodshed666 Records (Ö), minoRobscuR (DE) und Day Off Records (FR).

Eine Platte, die gleich auf vier Labels erscheint, gibt es auch nicht alle Tage. Eine Platte, die dir mit voller Wucht in den Schädel knallt. Von einer Band, die aus unserem Lieblingsland Finnland kommt, genauer gesagt aus Oulu. Ihr ahnt es schon: Die gestohlenen Nieren hauen gern ein wenig wilder auf die Pauke. Irgendwo zwischen Noise und Hardcore hat sich das Quartett gemütlich eingerichtet. Der Sound, speziell der Gesang, klingen so, als würde die Band mit Starkstrom und Stacheldraht gefoltert.

Dementsprechend ist die einschlägige Presse enthusiasmiert: „If there was music that could shred my skin from my flesh and open my body cavity up to expose my organs without causing me physical pain, it would be the music Stolen Kidneys makes“, meint etwa CVLT Nation. Wenn du die Sonne hasst und die Finsternis liebst, wenn dir Lärm näher ist als Harmonien, dann bist du hier genau richtig. Yeah!!!

***

ANNA MABO UND CLEMENS SAINITZER: Fest. Lieder nach Ernst Jandl. VÖ 15. 8. 2026, Vinyl, CD, digital

Die wunderbare Anna Mabo und der wahnwitzig talentierte Cellist Clemens Sainitzer gaben 2025 ein Fest für den Großmeister der Lyrik Ernst Jandl (1925-2000) bei Glatt&Verkehrt. Nun erscheinen die 18 Songs als Ö1 Edition. Zwischen den klug-witzigen Gedanken von Jandl, der Poesie Mabos und dem Duett von Violoncello und Gitarre entfaltet sich ein Land aus Wörtern, eine Ode an den Geist und an den Zwetschgenbaum. Eine Platte, die in jeden Deutsch- und Musikunterricht als Wahlpflichtprogramm gehört. Eines nur verstehen wir nicht: Dass das aufwändig zusammengestellte Programm bislang nur ein einziges Mal aufgeführt wurde (wenn unsere Recherche stimmt). Aber jetzt könnt ihr das eh zuhause tagtäglich hören.

***

MICHAEL J, KEPLINGER: The Words At Play. VÖ 31. 7. DIEgital Records, EP

Michael J. Keplinger (kurz MJK) ist vielleicht dem einen oder der anderen als Filmemacher ein Begriff. Musik begleitet ihn allerdings schon mindestens genauso lang wie die Liebe zum Kino. Als Musiker und Sounddesigner arbeitet er am liebsten solo. Heißt: Er macht alles selbst. Das klingt auf seiner ersten EP ruhig – auch im Sinne von gelassen, leicht melancholisch, überlegt und doch verträumt. Zur Platte gibt es auch eine „Visual EP“, einen Kurzfilm aus fünf Musikvideos. Stark!

***

ZNAP EXTENDED: Live at Kulturhauptstadt, VÖ 10. 7. 2026, Waschsalon Records

Auch eher eine EP mit sechs Songs, vier davon wurden im Oktober 2024 in Bad Ischl aufgenommen, die übrigen zwei im Februar 2025 in Wien. Jetzt ist die Platte fertig und sie bringt feinsten Jazz in deinen Haushalt. Silke Eberhard (alto sax, clarinet), Leonhard Skorupa – tenor sax, clarinet), Lorenz Raab (trumpet), Martin Bayer (guit.), Gregor Aufmesser (bass) und Lukas Aichinger an den Drums spielen auf hohem Niveau Songs, die tricky sein können, dabei aber immer groovy bleiben. Man muss den Jazz schon mögen, um hier mitzugehen, aber wenn das deine Musik ist, dann wird dich dieses verdoppelte Trio mitreißen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert