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Erzählungen des Monats Juni

Sasa Stanisic: Fallensteller. Luchterhand 2016

Der gebürtige Bosnier Stanisic, der mittlerweile in Hamburg lebt, ist ein begnadeter Geschichtenerzähler. Mit einem durchaus überschaubaren Personal schildert er etwa die seltsamen Diskussionen von christlichen Menschenrechtsaktivisten, den Diebstahl eines schrecklich schlecht gemalten Kriegsbildes oder die Leiden eines Teenagers im Feriencamp. Blühende Phantasie trifft beißenden Humor, sprachliche Meisterschaft und ein sehr gutes Gefühl für das Wesen der kurzen Prosa. Geradezu genial ist etwa die Geschichte über den doppelten Horvath / Horwath in Brasilien, die voller Wendungen und Überraschungsmomente ist und die in der Erkenntnis gipfelt: „Ich wäre gern mit einer Frau zusammen, die Payback-Punkte sammelt.“ Man hätte aus dem Material zweifellos auch einen Roman machen können, denn Stanisic greift gerne Handlungsstränge neu auf, erzählt seine Story nach einem Intermezzo weiter. Aber es ist schön so, wie es geworden ist. Ohne das Etikett Roman, dafür variantenreich, spannend und sprachlich brillant.

Wald- und Wiesenfoto: ©haubentaucher.at

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