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Elevate 2026: Der Eröffnungsabend

Der Auftakt in der Helmut-List-Halle begann mit Verspätung und er zog sich etwas in die Länge. Dafür ist nicht Moderator Martin Moder verantwortlich, der schöne Geschichten über Penisse in Bäumen und schaurige Geschichten über Wissenschaftsfeindlichkeit in Österreich einstreute. Dafür ist erst recht nicht Şeyda Kurt verantwortlich, denn ihre Rede war ein echtes Glanzlicht.

Die deutsche Moderatorin, Journalistin und Bestseller-Autorin (demnächst im Haubentaucher-Podcast zu Gast!) sprach über den Krieg und die Liebe, über Lebenszeichen, Vitalparameter und über Dinge, die das Leben überhaupt erst lebenswert machen. Sie sprach über die Politik, die in vielen Ländern der Welt Menschen marginalisiert und ihnen die Lebensqualität nimmt – und sie sprach über unsere Verantwortung unserer Community gegenüber. Liebe sei nicht bloß als bürgerliche Idylle, als Gefühl zu verstehen, sondern sie sollte Aufforderung zum Handeln sein, so könnte man Kurts Gedanken zusammenfassen.

Was noch bleibt von den Redebeiträgen: Die Sorge, dass es mit den Kürzungen im Land nicht vorbei ist. Wenn die Landesregierung wirklich die Kulturabgabe streicht, die im Rahmen der ORF-Gebühr eingehoben wird, dann wird es in der Kunst- und Kulturszene in der Steiermark zappenduster. Der anwesende Landesrat applaudierte demonstrativ und vehement bei dieser Aussage von Festivalleiter Bernhard Steirer. Der zuständige Politiker möge diesem Beifall Taten folgen lassen.

Danach verwandelten der norwegische Saxophonist Bendik Giske und die deutsche Lichtdesignerin Theresa Baumgartner die List-Halle in ein vibrierendes Theater voller Klänge, Farben und Strahlen. Ein außergewöhnlicher Auftritt, der selbst Menschen in den Bann zog, die mit diesem Instrument zuweilen ihre Probleme haben (wir hier zum Beispiel).

Es folgte ein Schlüsselwerk von Steve Reich. Die „Music for 18 Musicians“ wurde vom PPCM Ensemble und damit von Studierenden der Kunstuni unter der Leitung des Klangforum Wien dargeboten. Reich entführt in ein Labyrinth aus Loops, präzise und enthusiastisch auf die Bühne gebracht von den jungen Musiker:innen. Besonders die Cellistin sei hier hervorgehoben. Ob der spätere Abend und eine große Halle wirklich das richtige Setting für Minimal Music, zumal in dieser Ausführlichkeit, ist, darüber ließe sich streiten.

Wir gingen allerdings ohne Zank lieber noch in die Halle D wie Detroit. Dort ließen PLF, Schlagzeuger Lukas König, Klangkünstler Peter Kutin und Sängerin Elvin Brandhi den Beton beben. Ein Rausch an Sounds und Schreien, der die Müdigkeit verblies. Das nachfolgende Nachtprogramm haben wir dennoch den Jüngeren überlassen. Es war dies ja auch erst der Auftakt zum Elevate Festival. Da heißt es: Kräfte einteilen.

Foto: Bendik Giske / haubentaucher.at

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