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Pfiat di, Kollege

Heinz P. Wassermann
(1964-2026)

Das wird jetzt persönlich. 

Nein, wir waren nicht immer einer Meinung. Zum Beispiel war Heinz Anhänger der Schwarzen. Ich liebe die Roten. Wir reden hier nicht über das Thema, das Heinz besser kannte und brillanter vermitteln konnte als die meisten anderen in diesem Land. Wir reden nicht über Politik.

Sondern? Über die wichtigste Nebensache der Welt: Fußball.

Wir waren auch nicht einer Meinung, wie man die Affinität zu einem Verein auslebt. Ich gehe ins Stadion. Notgedrungen. Heinz, der Massen aller Art verabscheute, schaute sich das bestenfalls daheim an.

Wir waren auch nicht einer Meinung, wenn es um Bier ging. In Kötschach-Mauthen, wo von jungen engagierten Menschen hervorragendes Loncium gebraut wird, trank Heinz (so wie manche Einheimische) ostentativ Gösser. So etwas wie Craft Beer fand er lachhaft.

Aber weder über das Bier noch über den Fußball haben wir je gestritten. Was ich am meisten an ihm bewundere, ist, dass er alles, was er innerlich vehement ablehnte, nie in Grund und Boden verteufelte. Er grummelte zwar, aber mehr auch nicht.

Er fand ganz bestimmt vieles von dem, was ich tat, schaute, las, hörte: banal. Aber er ließ mich das nie spüren. Wenn Medien oder Seminaranbieter nach einem „Social-Media-Experten“ fragten, schüttelte er nur den Kopf und verwies die Fragenden an mich. Danke dafür.

Ich habe mein erstes Jahr als Lehrender an der FH mit ihm im selben Zimmer verbracht. Immer um Punkt 12 schaltete er das Mittagsjournal auf Ö1 ein. Ich habe nur ganz zu Beginn und sehr zaghaft versucht, ihn auf die Existenz von Kopfhörern hinzuweisen. Dass ich eine Stunde lang fast nicht zum Arbeiten kam, war ihm egal. Wahrscheinlich war das ein mehr oder weniger subtiles Bildungsprogramm, das mir auch nicht geschadet hat.

Er war einer der gescheitesten und belesensten Menschen, die ich kennengelernt habe. Er wusste enorm viel über Geschichte, über Medien, über Musik, über Wahlen, über die Möglichkeiten und Unmöglichkeiten von Politik.

Aber er hat nie – auch nicht eine Sekunde lang – mit seinem Wissen angegeben. Er war ein großartiger Vortragender, der selbst mit ein paar schlichten Powerpoint-Folien einen ganzen Abend gestalten konnte. Er war ein Lehrer, ein Professor, wie es sie heute kaum mehr gibt. Einer, der unglaublich viele Spuren hinterlassen hat, wie man sehr deutlich an Postings und Kommentaren von Alumni sehen kann.

Sein Urteil konnte scharf sein. Aber es war immer berechtigt. Außer, wenn es um Bier oder den Grazer Fußball ging. Natürlich.

Wenn er für den Haubentaucher Buchkritiken schrieb – und darüber bin ich sehr glücklich – dann fasste er sich nie so kurz, wie es fürs Web vermutlich naheliegend ist, sondern griff in die Vollen.  So entstanden zumindest drei ausführliche Rezensionen, es hätten mehr sein sollen.

Als wir Ende August auf ein bis zweieinhalb Biere in sein Lieblingslokal gingen, haben wir am Ende getrennt gezahlt. Ich wünschte, ich hätte ihm seine Gösser spendiert und könnte ihn jetzt um eine Gegeneinladung bitten.

RIP, Heinz.

Foto: Boris Böttger 

 

 

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