Lea Singer: Eine Frage des Formats. Piper Verlag 2026
Es ist ein außergewöhnliches und gleich mehrfaches Aufeinandertreffen zweier Menschen, die grundverschieden sind. Queen Elizabeth II. und der Maler Lucian Freud sitzen sich gegenüber. Er ist ein wilder, grenzen- und zügelloser Kerl, sein künstlerisches Genie gibt es nur in Kombination mit Grobheiten und Exzessen. Sie hingegen ist die Kontrolle in Person. Niemals mehr Gefühle zeigen als unbedingt nötig, nie sich gehen lassen. Das war ihre Devise ihr ganzes langes Königinnenleben lang.
Die Queen hatte dem berühmten Maler einige Sessions bewilligt, bei denen er sie porträtieren sollte. Was für sie im wahrsten Sinne des Wortes erschwerend hinzukam, war ein rund zwei Kilo schweres Diadem, das sie während der Sitzungen tragen musste. Darauf hatte Freud bestanden.
All das ist historisch verbürgt, das entsprechende Porträt ist Teil der königlichen Sammlung. Die deutsche Autorin Lea Singer, die auf historische Themen spezialisiert ist, macht aus dieser Konstellation ein tiefgründiges Buch. Sie kombiniert Fakten mit Dingen und Dialogen, die so passiert sein können oder auch nicht. Wir wissen es nicht, denn außer den beiden war nur Freuds treuer Diener David Dawson anwesend und der war ausgesprochen diskret.
Bei Lea Singer sprechen die Queen und Freud über ihre Familien, die schwierigen Beziehungen zu ihren Müttern und Kindern, über Nacktheit, Schönheit und Hässlichkeit, über Lust und Laster. Auch wenn „Eine Frage des Formats“ am Ende mehr Fiktion als reale Nacherzählung ist, so liest sich das Buch doch spannend und ist reich an Erkenntnissen. Klare Empfehlung für alle (kunst-)historisch interessierten Menschen da draußen.
Ach ja, das fertige Bildnis wurde äußerst kontrovers aufgenommen. Die einen sprachen vom besten Porträt einer Hoheit in vielen Jahrzehnten. Die anderen wollten den Künstler in den Kerker im Tower werfen lassen. Am besten, Sie machen sich selbst ein Bild davon.