Der dritte Elevate-Abend begann für uns im Dom. Nicht im Berg, wie es für dieses Festival typisch wäre. Sondern im „echten“ Dom. Der französische Komponist und Musiker Maxime Denuc zauberte aus der mächtigen Kirchenorgel repetitive Sounds, die von Minimal Music bis Krautrock und Electro reichten. Sollte es dabei auch was zu sehen gegeben haben: Wir haben es verpasst. Denn eine Orgel ist nun einmal im Rücken des Publikums.
Flink eilten wir über die Mur ins Orpheum, wo im 1. Stock Maja Osojnik und Stina Fors zum Duo DÄ LIVER mutierten. Und hier gab es nicht nur was zu hören, sondern auch zu sehen. Da wurde aufs Schlagzeug gedroschen, geheult und gebrüllt, gelesen und der Bass gewürgt. Ein kraftvoller Akt des musikalischen Widerstands gegen den Mainstream. Ganz kommen wir dem aber nicht aus, wie der weitere Verlauf des Abends noch zeigen wird. Ein großartiger Auftritt der Slowenin und der Schwedin war das, der nur etwas unnötig beengt wurde durch die Tatsache, dass ein Teil des Publikums das Setting als Sitzkonzert interpretierte.
Wir riskierten einen Abstecher ins Parterre des Hauses und wurden nicht enttäuscht. Matthew Herbert und Momoko Gill verknüpften Drums mit Electro, Flötentöne mit Loops. Der entspannte und in jeder Phase coole und elegante Auftritt hätte sich vielleicht noch etwas mehr Leute im Saal verdient, aber es war an diesem Abend halt alles gleichzeitig los in der kleinen Stadt an der Mur.
Und dann kam der Höhepunkt, wenn man uns fragt. Uche Yara, junge Oberösterreicherin mit Wohnsitz in Berlin, lieferte ein hin- und mitreißendes Set zwischen Rock und Electro, Computer-Sounds und Bassgitarre. Sie nutzte die Gelegenheit auch, um am Abend vor dem 8. 3. Frauenrechte und Feminismus anzusprechen. Und sie brachte das sehr gut gefüllte Orpheum Extra zum Tanzen. Uche Yara ist jetzt schon ziemlich knapp dran an der internationalen Karriere. Wir hoffen, es geht ohne überzeichneten Hype, organisch, Schritt für Schritt. Heuer kommt mal das erste Album und wenn das auch nur annähernd die Qualität und Energie dieses Auftritts hat, werden wir das wohl ankaufen müssen.
Nach einer kurzen Pause kam dann die nächste Musikerin aus Österreich, die nur mehr wenige Meter vor dem endgültigen Durchbruch steht. Eli Preiss. Auf der Elevate-Website steht: „Ihre Songs bewegen sich zwischen Contemporary R&B, Neo-Soul, Cloud Rap und elektronischem Pop. Mit souligen Vocals, präzisem Rap-Flow und dieser genreübergreifender Ästhetik, sind ihre Songs am Puls der Zeit.“ Davon war im Orpheum dann allerdings nicht allzu viel zu hören. Wenn auch zu sehen. Im lässigen Boxershorts-Outfit wirbelte sie über die Bühne, unterstützt von beeindruckenden Tänzerinnen. Ja, Eli Preiss arbeitet mit Rap-Elementen, aber am Ende ist das einfach: POP.
Pop für die Jungen. Pop für Girls, die ihr eigenes Ding feiern wollen. Statt aufgeblasener Rap-Attitüde gibt es bei Eli Preiss Pop für Menschen, die Windmaschinen lustig finden und die auch nichts dagegen haben, wenn die dann doch eher wirken wie Ventilatoren. Pop für Menschen, die letztlich auch starke Texte wichtiger finden als eine starke Stimme. Eli Preiss wird ihren Weg gehen, sie weiß genau, wohin der führt, wie eine Show funktioniert. Es muss uns ja nicht restlos überzeugen, aber es hat sein Publikum.
Und Elevate zeigte heuer sowieso, dass dieses Festival mit den unterschiedlichsten Genres die diversesten Gruppen von Kulturinteressierten glücklich machen kann. Zum Finale kommt noch der große Marc Almond. Dann können wir endlich wieder schlafen…
Foto: Uche Yara, © haubentaucher.at