Corinna Perchtold-Stefan: Das kreative Böse. Die dunkle Seite menschlicher Erfindungskraft. Brandstätter Verlag 2026
Die Autorin könntet ihr kennen, vor allem wenn ihr eifrig den Haubentaucher Podcast hört. Nun ist es da, das lange erwartete Buch der Grazer Psychologin über verbrecherische {oder zumindest sehr fiese) Geniestreiche. Die Forscherin geht der Frage nach, wie viel Erfindungsgeist in Racheaktionen stecken kann, ob es gewisse Faktoren gibt, die es begünstigen, dass wir zu „malevolenter Kreativität“ neigen. Systematisch, ausführlich, mit Esprit erklärt Perchtold-Stefan, was überhaupt als „kreativ“ anzusehen ist. Und was wirklich böse ist.
Besonders unterhaltsam geht es in etwa in der Mitte des Buches zu. Da taucht James Fallon erstmals auf, der als „Forscher mit dem Psychopathen-Gehirn“ berühmt werden sollte – oder wäre es besser zu sagen: berühmt werden wollte? Und dann gab es Craig Bennett, der mit einem toten Lachs die Neurowissenschaft gehörig ins Wanken brachte. Sie merken schon: Es ist kein Zufall, dass dieses Buch es auf die Longlist zum Wissenschaftsbuch des Jahres 2027 geschafft hat.
Was bringt die Lektüre interessierten Menschen ohne psychologischen Background? Sehr viel mehr Einblick in die Forschung per se. Was kann man untersuchen, woran scheitert die Wissenschaft und welche Aussagen sind zwar poppig, aber halt auch ziemlich weit hergeholt. So beweist Corinna Perchtold-Stefan letztlich auch, dass James Fallon seine eigene Diagnose einigermaßen übertrieben dargestellt hat. Und dass böswillige Kreative zwar interessant sein können, aber halt auch tatsächlich sehr gefährlich.