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Haubentaucher des Monats

Haubentaucher CDs des Monats

Das große Geschenke-Happening steht bereits vor der Tür. Dutzende CDs und Bücher liegen in der Haubentaucher-Redaktion und wollen besprochen werden. Hier eine Auswahl der schönsten fünf CDs für November. Da ist für jeden Geschmack etwas dabei…

Morbidelli Brothers: „Five Hours To Weather The Dark“. Trost Records 2012.
Die fünf Herren machen erfrischend geradlinigen Rock aus der Rumpelkammer. Das ganze gibt sich dunkel und spooky, flott, aber immer reduziert auf das Wesentliche. Wer Parallelen braucht: Die CD erinnert stellenweise an Großmeister wie die Beasts of Bourbon oder vielleicht auch den Gun Club. So muss sich der Soundtrack zu einem österreichischen Road-movie anhören, das David Schalko erst noch drehen wird. Anspieltipps: Das düster poppige „Avocado Skin“ und das speedige „Pick a bale of cotton“. Für Fans von Gitarre, Schlagzeug, Bass. www.morbidellibrothers.com

Ernesty International: „Ernesty IV.“ EMG / Hoanzl 2012.
Ernst Tiefenthaler muss man auf diesem Kanal wohl niemandem mehr vorstellen. Es vergeht kein Jahr ohne neue CD und bislang haben noch alle positive Resonanz in der Musikredaktion des Haubentauchers gefunden. So auch „Ernesty IV.“ Niemand kann – mit Unterstützung der großartigen Eloui – hierzulande so herzerwärmend über Liz Taylor und über den Geruch von Hundescheiße im Dezember singen. Die neue CD ist irgendwie noch abgeklärter, noch eigenständiger, noch ernster und dabei musikalisch fast schon üppig mit Glockenspiel, Melodica und Tambourin. Für Individualisten mit Geschmack. www.ernestyinternational.org

Harlequin’s Glance: „Ashore“. Lindo 2012.
Wieder fünf Herren, doch mit deutlich anderer Ausrichtung als die Gebrüder Morbidelli. Die Musik der 1995 formierten Harlequins darf man in die Country- oder Neo-Folk-Ecke stellen, wird sich aber dennoch wundern, wie vielschichtig die CD daherkommt. Klavier, Banjo, Fidel, Akkordeon und jede Menge mehr oder weniger seltsamer Instrumente begleiten Gernot Feldners markante raue Stimme. Bei aller Zurückhaltung kann man da durchaus von internationaler Klasse sprechen. Vor allem die Live-Auftritte sind unter Kennern beliebt. Und die neue CD ist in der Tat eine schöne runde Sache. Für Cajun-Fans, die gern in den eigenen vier Wänden das Tanzbein schwingen. www.harlequinsglance.com

Markus Schirmer & A Far Cry: „The Mozart Sessions“. paladino music 2012.
Klassik auf dem Haubentaucher, das gibt es auch nur alle heiligen Zeiten. Aber in diesem Fall muss es einfach sein, schließlich findet sich nicht jeden Tag eine so stimmige und doch außergewöhnliche Kooperation wie diese. Markus Schirmer ist ein Ausnahmepianist mit Homebase Graz, der durch seine sensible und emotionale, dabei aber nie bierernste oder verstaubte Zugangsweise zu Mozart nicht erst seit gestern die Konzertsäle von Italien bis Japan füllt. Bei einer Reise lernte er A Far Cry kennen, ein – wenn man so will – demokratisches Orchester aus Boston. Die jungen Musiker/innen kommen ohne Dirigenten aus und wechseln je nach Stück die Führungsrollen und damit auch immer wieder die grundlegende Tonalität. Was die Zusammenarbeit so speziell macht, ist die Begeisterung für Musik ohne Hierarchie- oder Traditionalismusdenken. Klingt wie gestern komponiert. Und hätte dem lebenslustigen Herrn Mozart bestimmt gefallen. www.afarcry.org & www.markusschirmer.at

 Laura Rafetseder: „The Minor Key Club“. Lindo Records 2012.
Unser vielleicht schwerster Fehler 2012: Die „Vorgruppe“ beim Billy Bragg Konzert in Graz sausen zu lassen und statt dessen im Foyer des Volkshauses gemütlich zu plaudern. Laura Rafetseder hat nämlich alle, die schon zu diesem Zeitpunkt im Saal waren, von ihren Qualitäten überzeugt. Mit dieser CD geht sie noch einen Schritt weiter. Mit rein akustischen Mitteln und unter anderem verstärkt durch Gernot Feldner und Stefan Steiner von den oben besprochenen Harlequin’s Glance, gelingt der Wienerin ein folkiges Album, das globale Missstände beim Namen nennt, dabei aber nie in die „Möchtegern-Joan-Baez“-Falle tappt. Rafetseders Stimme lässt einen nicht mehr los, das beginnt bei der ersten Nummer „Oh just to be“ und erlebt einen Höhepunkt bei „Ballad of Zhanaozen“, einem Song über die Ermordung streikender Arbeiter in Kasachstan. Keine leichte Untermalung für zwischendurch, sondern eine Platte, die Aufmerksamkeit fordert. Große Klasse. www.laurarafetseder.com

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