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Der Haubentaucher beim steirischen herbst /2

Lola Arias: „Mi vida después“.

Das Schöne am steirischen herbst, so wie ihn Intendantin Kaup-Hasler interpretiert: Er dreht sich nicht (nur) um die eigene mitteleuropäische Befindlichkeitsachse, sondern holt die Welt zu sich herein. Nur Kleingeister werfen dem Festival dann vor, dass das eine oder andere schon vorher anderswo zu sehen war. Sei’s drum. Graz tut es gut, sich auch mit anderen Realitäten und künstlerischen Formen auseinander zu setzen.

Lola Arias‘ Stück ist eine bewegende, berührende, turbulente Auseinandersetzung mit der jüngeren argentinischen Geschichte. Sechs junge Menschen erzählen ihre Familienhistorien mit Dias, Super-8-Filmen, Erinnerungsstücken. Die heute ca. 30-40 Jährigen haben ein schweres Erbe zu tragen. Die einen haben ihre Eltern verloren, weil diese gegen das Militärregime opponierten. Die anderen haben ihre Väter viel später (aus den Augen) verloren, weil ihre Erzeuger sich nicht als biedere Bürger, sondern als Gehilfen der blutigen Junta entpuppten. Wie Arias diese Geschichten aufarbeitet, manchmal traurig, manchmal komisch, ist zeitgenössisches Theater auf höchstem Niveau. Das Ensemble wurde zurecht mit großem Applaus bedacht. Hoffentlich bleibt der gute Draht des herbsts zu Argentinien auch in Zukunft aufrecht. Denn dort wird (zu beobachten auch bei Federico Leon – siehe unten) an dramaturgischen Formen und Bildsprachen gearbeitet, die das Zombie-Medium Theater zu neuem Leben erwecken.

Foto: wolfgang silveri/steirischer herbst

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