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Film des Monats: „Der Stoff, aus dem Träume sind“

„Der Stoff, aus dem Träume sind“ von Lotte Schreiber und Michael Rieper

Der am 17. Juni in Graz erstmals gezeigte Dokumentar-Film richtet sich nicht nur an Architekt*innen, sondern an ein breiteres Publikum – genauer gesagt an alle, die sich mit dem Thema Wohnen eingehender beschäftigen. Anhand von Beispielen aus Graz, Wien, NÖ und Linz wird bewiesen, dass man abseits des so überhitzten Immobilienmarktes bauen, wohnen und vor allem leben kann – oder sollte man besser sagen: könnte?

In den 1970er Jahren starteten in Raaba und in Graz St. Peter engagierte Gruppen mit dem Erwerb von Grundstücken und dem Bau von mehr oder weniger großen Siedlungen. In der Regel werden bei diesen Modellen Eigentumswohnungen individuell erworben, das Haus als ganzes aber kollektiv verwaltet. Das jüngste Beispiel aus Oberösterreich hingegen orientiert sich an der deutschen „Syndikats„-Bewegung. Menschen aus der Indie- bis Punkszene kauften gemeinsam ein Haus, allerdings ohne Eigenkapital, ausschließlich mit Crowdfunding und einem klug ausgearbeiteten Kredit-Mietensystem.

Der Film ist erfreulich kurzweilig, aufschlussreich und kommt ohne Fachvokabular aus. Er konzentriert sich auf die Bewohner*innen und wird komplettiert mit historischen Aufnahmen und Aussagen von Architekt*innen. Er ist atmosphärisch dicht, hat seine heiteren Momente, er ist wichtig, um eine fundierte Diskussion anzustoßen – kommt aber leider fast ein wenig (zu) spät, wenn man sich die Bau- und Wohnsituation in Österreichs Städten ansieht (und nicht nur dort).

Im Rahmen der Präsentation im KiZ wurde denn auch Kritik laut an den bestehenden Verhältnissen, speziell in Graz. Denn was früher mit der Terrassenhaussiedlung möglich war, klingt heute nach reiner Utopie. Freie Flächen gehen ausschließlich an kommerziell orientierte Immo-Unternehmen, die zwar ihren Gewinn, aber kaum die Bedürfnisse der zukünftigen Bewohner*innen im Auge haben. Ganze Stadtteile werden mit einem Siedlungsfleckerlteppich zugekleistert, de facto sind alle Bezirke durch eine ungesteuerte Bautätigkeit gezeichnet, die ohne nennenswerte architektonische Qualität auskommt. Die Miet- und Kaufpreise für Wohnungen sprechen ihre eigene, sehr deutliche Sprache. Daher empfehlen wir „Der Stoff…“ auch ganz besonders für eine Vorführung im Stadtplanungsamt.

Der Film ist am 18. Juni um 19.30 im Stadtkino im Künstlerhaus in Wien zu sehen, des weiteren am 9. Juli im Sommerkino am Karlsplatz Kaleidoskop, am 28. August beim Architektur.Film.Sommer im Museumsquartier und am 13., 14. und 15. September dann wieder im Stadtkino in Wien.

Weitere Vorführtermine, Download- und Kaufmöglichkeiten wird man in Hinkunft auf der Website sowie auf der Facebook-Seite finden. Und hier gibt es den Trailer:

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