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Buch des Monats November

Don Winslow: Tage der Toten. suhrkamp 2010.

An sich sind wir hier nur bedingt begeistert von den Riesenschwarten, die den Buchmarkt derzeit dominieren. Bei Don Winslow aber muss man auf jeden Fall eine Ausnahme machen. Der Mann hat mit „Tage der Toten“ ein bluttriefendes Epos abgeliefert, das unglaublich brutal, wuchtig und spannend ist. Es wundert einen direkt, dass man nach der Lektüre voller Leichen und Folterungen auch nur irgendwie schlafen kann und dass keine Körperflüssigkeiten zwischen den Buchdeckeln hervorquellen. Die Geschichte spielt in Mexiko und in den USA, in Kolumbien und anderen lateinamerikanischen Drogenhochburgen. Der Kampf der Behörden gegen die Mafia und die Drogenbarone lässt keinen Stein auf dem anderen, es gibt letztlich nur Verlierer und jeder einzelne hat Dreck am Stecken. Das gilt auch für die hohe Politik und es ist erstaunlich, wie viele reale Namen Winslow in dieses Buch eingebaut hat, ohne sich offenbar vor Klagen in Millionenhöhe zu fürchten. Der Held (oder doch Antiheld?), der US-Bulle Art Keller verliert im Krieg rund um Kokain und Heroin einen seiner besten Männer und nimmt Rache. Zur selben Zeit erklimmt eine neue Generation milchgesichtiger Jungen die höhere Ebene der Raub-, Mord- und Totschlagabteilung in den USA und in Mexiko. Der Thriller, der von der Kritik als einer der besten der letzten zehn bis zwanzig Jahre gehandelt wird, ist exzellent geschrieben und von Chris Hirte ohne Fehl und Tadel übersetzt. Große Empfehlung für alle, die über gute Nerven verfügen.

2 Antworten auf „Buch des Monats November“

Herr Winslow hat sich in den letzten Jahren sehr gebessert, dürfte viel von James Ellroy gelesen haben – der ihm ja auch am Back Cover Credits gibt. Sehr gutes Buch, ältere Winslows sind aber deshalb nicht zwingend zu lesen.

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