Danielle Spera und Erika Freeman: Mut. Über 36 bedeutende jüdische Frauen. Amalthea Verlag 2026
Die eine war Zeit-im-Bild-Moderatorin und ORF-Korrespondentin sowie später Direktorin des Jüdischen Museums in Wien. Die andere ist mit ihren 99 Jahren nach wie vor eine der berühmtesten Psychoanalytikerinnen der Welt, erhielt zahlreiche hohe Auszeichnungen und gilt als wichtige Zeitzeugin.
Zusammen haben Danielle Spera und Erika Freeman die Biographien von 36 Frauen kompiliert, konzentriert und kommentiert. Die Auswahl ist originell, sie beginnt bei Figuren aus der Bibel (Sarah, Rebekka, Rachel und Lea, Deborah, Ruth und Esther), geht über zu Frauen, die heute weitgehend vergessen sind wie Glikl von Hameln oder Emma Lazarus und führt über Helena Rubinstein, Golda Meir und Hilde Spiel peu á peu näher an die Gegenwart heran. Zugegeben: Einige dieser Biographien finden sich ohnehin schon in vielen Büchern (Anne Frank, Hedy Lamarr, Elfriede Jelinek). Dennoch muss man an dieser Stelle gleich eines festhalten: Das hier ist ein Buch, aus dem man unwahrscheinlich viel mitnehmen und lernen kann.
In so konzentrierter Form zu sehen, wie sich Frauen aus jüdischen Familien gegen Ablehnung, Hass oder auch Diskriminierung im Bereich der Wissenschaft zur Wehr setzen mussten, ist an sich schon reich an Erkenntnis. Wie klug, mutig und widerstandsfähig viele von ihnen handelten, ist die zweite wichtige Lektion. Die beiden Autorinnen schreiben voller Respekt über ihre Protagonistinnen und fassen jeweils sehr ausführlich und sehr persönlich zusammen, warum diese Frauen in Erinnerung bleiben sollten.
Damit es hier nicht kitschig wird, seien ein paar kritische Gedanken nachgereicht: Es ist dies auch ein Buch, das sich oft und viel um sich selbst dreht. Das beginnt damit, dass es eigentlich erst ab Seite 50 wirklich losgeht. Die Kommentare hätten kürzer – und die Biographien dafür länger – ausfallen können. Ob es wirklich biblische Beispiele gebraucht hat oder ob die Historie nicht genügend zusätzliches Material liefern hätte können, darüber mag man diskutieren. Eines ist aber klar: Dieses Buch ist ein enormer Gewinn für alle, die mehr über Mut und Tatendrang, über Emanzipation und Gerechtigkeit erfahren wollen.