Den Auftakt am Sonntag im Orpheum machen Mama Feelgood & Mr. Farmer. Die Early Birds trudeln auch tatsächlich schon gegen 19.00 ein. Maria Somerville, der erste Live-Act, bittet dann kurz nach 20.30 um allgemeine Verdunkelung. Es herrscht eine Stimmung wie in einem November-Wald in Irland, nebelig und düster. So viel aber sieht und vor allem hört man, dass die Sängerin samt Band vom angekündigten Dream Pop stark in Richtung Indie-Rock abbiegt. Endlich richtige Gitarrenmusik nach etlichen Abenden mit Elektronik-Schwerpunkt, freut sich unsereiner.
Bei Elevate gibt es keine Supportbands im klassischen Sinne und deswegen ist Maria Somerville vom nächsten Act auch musikalisch Lichtjahre entfernt. Gegen 21.30 betritt nämlich der große Marc Almond die Bühne. Die Sonne geht auf und vertreibt den Nebel. Es ist wie mit einem netten Menschen, den man zuletzt vor mehr als 25 Jahren gesehen hat: Er hat sich verändert und ist doch derselbe geblieben.
Die Stimme hat gehalten, die Frisur auch, die Beweglichkeit – um nicht Geschmeidigkeit zu sagen – ist ungebrochen und Almond genießt die Show. Wenn es im Orpheum jemals Las Vegas ähnliche Zustände gab, dann hier und jetzt. Alle großen Songs seiner Karriere hat Almond mitgebracht. Die Band, die einen gehörigen Retro-Rock-und-Synthie-Touch verströmt, die beiden Weltklasse-Background-Stimmen, das Licht, all das ist großes Pop-Format. Es fehlen nur mehr weiße Tiger auf der Bühne und Feuerwerke vor dem Haus.
Immerhin: Almond greift sogar in die geheime Schublade mit der Aufschrift „Soft Cell“ und bringt den Welt-Hit Tainted Love zu Gehör. Hallo, wir reden hier über das Jahr 1981, in dem diese Hymne mit durchaus ambivalenter Bedeutung in diesem Gewand erstmals erschienen ist – und sie wirkt immer noch!
Er mag das Zugabenspiel mit dem Abgehen und dem Wiedererscheinen nicht, sagt Almond gegen Ende. Haut mit seiner Band den Hammersong „Children of the Revolution“ von T. Rex in die Nacht und weg ist er.
Was bleibt von Elevate 2026? Viel Party für viele verschiedene Menschen. Kluge Gedanken im Heimatsaal. Bestens besuchte Locations. Und die Hoffnung, dass das noch nicht alles war. Liebe Menschen, die ihr unser Steuergeld verwaltet: Das hier hat eure Unterstützung auch weiterhin verdient. Eigentlich ist es eh unsere Unterstützung. Aber Danke trotzdem. Und auf ein Wiedersehen beim Elevate Festival 2027.
Foto: Johanna Lamprecht / Elevate 2026