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Dramen, die das Leben schrieb Theater

Ein Klassiker für junge Leute (und andere)

Biedermann und die Brandstifter. Von Max Frisch. Im Next Liberty in Graz. Empfohlen ab 14 Jahren.

Was hätten Sie getan? Und vor allem: Wann? Und wie genau? Das Stück von Max Frisch, das unsereins noch in der Schule lesen durfte/sollte/musste, hat in all den Jahrzehnten nichts an Kraft eingebüsst. Herr und Frau Biedermann bekommen ungebetenen Besuch. Rundherum brennt es, man müsste angesichts des Geschehens sehr misstrauisch sein, doch das brave Ehepaar wird geradezu überrumpelt vom Charme und der Dreistigkeit des Sepp Schmitz. Der dann auch noch seinen Kumpel ins Haus schmuggelt. Und schließlich schleppen die zwei eine Menge Benzinkanister in den Keller. Was ist da bloß los? Sind das am Ende die gesuchten Brandstifter? Wie wird das alles enden?

Die Haushaltsgehilfin Anna hat im doppelten Wortsinn den Plan und durchschaut das böse Spiel rasch. Doch auch sie kommt nicht mehr an gegen den Lauf der Dinge. Und weil der Haarwasserfabrikant Biedermann reichlich Dreck am Stecken hat, fällt der Widerstand gegen die Eindringlinge besonders schwer. Statt sie rauszuwerfen, lässt er den Ganoven ein feines Mahl samt Weinbegleitung servieren. Nach dem Dessert wird es heiß im Haus der Biedermanns. Sie hätten es wissen müssen…

Obwohl von Beginn an alles klar ist, geht es auf der Bühne des Next Liberty spannend zu. In Zeitlupe, in Echtzeit oder in Zeitraffer, je nachdem. Helmut Pucher als Toupet-Träger Biedermann, der seine Spießigkeit so gerne ablegen würde, brilliert. Ihm zur Seite Christina Kiesler, die ihre Babette Biedermann als glaubhaft ungläubige Zweiflerin anlegt. Lisa Rothhardt verwandelt die Anna in eine Vermittlerin zwischen dem Publikum und dem Geschehen auf der Bühne, zwischen den Wünschen ihres Chefs und dem unverschämten Benehmen des Sepp. Christoph Steiner zeigt als Schmitz eine hinreißende Mischung aus diabolischem Witz und krimineller Energie. Martin Niederbrunner als Ex-Knacki Eisenring ist sein abgerockter Partner in Crime. Und Simone Leski stiefelt als vorgeblich stets wachsame Feuerwehrfrau und Polizistin über die Bühne. Sie alle bekommen bei der Premiere nach exakt 105 Minuten großen Applaus. Und nicht nur sie.

Regisseurin Mira Stadler positioniert das Stück zwischen Gesellschaftskritik und Komik, zwischen gutbürgerlichem Wohnzimmer und gut einsehbarem Keller – und das mit einer pointierten Stilsicherheit, die große Freude bereitet. Zu loben sind hier auch besonders Mignon Ritter für die farbenfrohe Ausstattung, Nikolaj Efendi für die Musik und Alexander Scherpink für die feurigen Video-Effekte.

Der primären Zielgruppe hat es ganz offensichtlich gefallen und eigentlich ist es ohnehin völlig egal, wie alt oder wie jung man ist, dieses Stück in dieser Inszenierung sollte man gesehen haben.

Die nächsten Gelegenheiten dazu sind am 17. und 20. Jänner, am 3., 4., 24., 25. und 26. Februar. Teilweise am Vormittag und Nachmittag. Ideal für Deutschlehrer:innen, die angesichts des Werks von Frisch mit ihren Schüler:innen über Zivilcourage in eigener Sache reden wollen. Infos und Tickets unter nextliberty.buehnen-graz.com

Foto: © Lex Karelly

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