MAIIJA: „What If“. noise appeal, VÖ 13. 2. 2026
Marilies Jagsch aka Maiija muss man eigentlich niemandem mehr vorstellen, der sich für österreichische Musik der Gegenwart interessiert. Aktuell ist sie vor allem mit Naked Lunch auf Tour. Beim grandiosen Konzert im ppc in Graz konnten wir sie nicht nur solo bewundern, sondern auch kurz mit ihr plaudern. Erstmals trat sie rund um 2008 in Erscheinung, sie spielte unter anderem immer wieder mit Bernard Fleischmann, Ernst Molden, A Life A Song A Cigarette. Ihr Debut-Album Obituary for a Lost Mind gehört in jede gut sortierte Austro-Indie-Sammlung.
Die neue Platte überzeugt spätestens bei der zweiten Nummer „Recover“ dermaßen, dass man sowieso kaum mehr davon weg kommt. Bei uns hier läuft „What If“ seit Tagen in Dauerschleife. Eine leicht angeraute Stimme, die dich in ihren Sog zieht. Die manchmal nervenden Vergleiche mit großen Sängerinnen wie P. J. Harvey haben hier durchaus ihre Berechtigung. Maiija hat für dich Lieder komponiert, die du 1000 mal hören kannst. Und es wird nie zu viel.
Mit dabei sind Leute wie der hier schon gewürdigte Lukas Lauermann, Peter Paul Aufreiter oder Paul Szelegowitz an der Trompete. „What If“ bleibt dem Indie-Gedanken treu, will dich nicht umhauen, sondern dein Herz wärmen. Das gelingt und sollte auch live erlebt werden.
Hier die nächsten Möglichkeiten dazu:
18.02.26 Wien @ Radiokulturhaus Album Release Show
04.03.26 München @ Milla w/ Naked Lunch
05.03.26 Stuttgart @ Merlin w/ Naked Lunch
13.03.26 Linz @ Stadtwerkstatt
20.03.26 Steyr @ Röda w/ Sodl
10.04.26 Ried im Innkreis @ KiK
16.04.26 Krems @ Kino im Kesselhaus
27.06.26 Villach @ Kulturhofkeller
***
TIGER FAMILY: „Giant Hat“. Pumpkin Records, VÖ 13. 2. 2026

Und die Tiger Family wird auch nicht mehr vorgestellt. Wer sich Haubentaucher-Leser oder Leserin nennen will, muss diese All-Star-Band aus Graz sowieso lieben und verehren.
Sonst: Da ist die Tür!
Im Studio von Opus haben die fünf wilden Tiger alles live eingespielt, sich mit dem einen oder anderen vergnügt, das gerade griffbereit war (Keyboard!) und herausgekommen ist ein Album, das leicht neben der Spur daher rumpelt, aus der Zeit plumpst, wie man es von dieser Band gewohnt ist. Die Pop-Geschichte komprimiert auf 9 Songs. Ja, es sind 9 auf der Platte, aber nur 7 davon sind auf dem bösen Spotify-Portal gelandet. Also musste du die Vinyl kaufen. Zumal die ein wunderschönes Artwork bekommen hat. Nix KI-Blödheiten. Sondern eine handgefertigte Knetmassen-Tigerfamilie samt Riesenhut. Verantwortlich dafür sind die Grazer Künstlerin Theresa Lichtenegger sowie das Studio Zuschneider und Christoph Urban (Foto).
Release-Show war am Valentinstag 2026 im Café Kork, wo die Tigerchen schon so etwas eine zweite Heimat gefunden haben. Weitere Live-Termine findet ihr hoffentlich bald auf der Website der Plattenfirma. Von uns gibt es als verspätetes Valentinsgeschenk das Video zu Fuzzy Lager.
***
peach tinted: „White Honda Legend“. VÖ 11. 2. 2026

Zwei Wiener, ein weißer Honda aus dem Jahr 1990. Eine seltsame Liebesgeschichte, die nun in dieser Platte (und einem exzellenten Video) kulminiert. „Das Ding könnte jederzeit auseinander fallen, Ersatzteile sind schwer zu finden. Trotzdem leben wir diesen Traum, im Wissen, dass er nicht für immer hält. Genau dieses Gefühl prägt auch unser Album.“ Und noch etwas geben uns peach tinted mit auf den Weg: „Wir sind hier für die Leute, die sich nie zu Hause gefühlt haben. Für die, die immer anders waren als der Rest und daher weit weg wollen. Wir geben ihnen den Anstoß, es endlich zu tun, alles hinter sich zu lassen und sich an einem neuen Ort zu entfalten.“
Die Mischung aus Indie und Elektronik, Pop und Rock funktioniert wahnsinnig gut. Nur noch nicht ganz so groß wie es verdient wäre – bei uns. Dafür sind peach tinted ziemlich viel unterwegs und spielen vor allem regelmäßig in Mexiko (kein Scherz!). Da es dorthin doch etwas weit ist: Am 4. 4. wären sie in Paris im Le Hasard Ludique zu erleben. Bock darauf?
***
HECKSPOILER: „Bock auf Stress“. noise appeal, VÖ 5. 12. 2025
Bock auf Stress? Immer!
Zuerst ist die Platte nicht daher gekommen. Dann haben wir eine kleine Pause eingelegt. Aber jetzt ist wieder alles gut und die neue Heckspoiler dröhnt endlich durch unsere edlen Gemächer. Das härteste Duo dieses Landes (wenn man uns fragt), macht Musik, die einem klaren Motto folgt: „Ist doch scheißegal!„
Ideal, um deine Eltern, deinen Partner, deine Lehrer:innen, einfach alle fertig zu machen. „Du kannst mir gern in die Goschn haun“, auch das kann man gar nicht laut genug aufdrehen und mit brüllen.

„Bock auf Stress“ klingt wie die ewige Post-Pubertät irre gewordener Techno-Punks, dargeboten in einem verschimmelten miesen Drecksloch. Aber wenigstens ist das Dosenbier schön kalt. Und wisst ihr, was das beste ist? Diese agressionsgeladene Lärmschleuder gibt es auch auf Vinyl. Und zwar in einer wunderschönen Alarm-Edition. Siehe oben. Was sollen wir sagen: Wir lieben das!
***
SUNDL: „Goth Housing“. Cut Surface & Wilhelm Show me the Major Label. VÖ 23. 1. 2026, Tape & digital

Christian Sundl ist ein Wiener Producer und Goth Housing ist sein fünftes Album. Der Name ist Programm. Gothic trifft House. Irgendwo ertönen Glocken, die nichts Himmlisches haben. Ein Lift fährt ganz nach unten. Langsam zieht Nebel auf.
David Lynch hätte vermutlich seine dunkle Freude gehabt damit. Falls ihr Geschöpfe der Nacht seid, wird es euch ebenso gehen. Denn das ist perfekter Stoff, um sich in den Stunden nach Mitternacht zu verlieren. Am Friedhof bitte nur mit Kopfhörern abspielen. Sonst gern lautstark, denn die Wirkung ist hypnotisch und könnte eure nächste Gruft-Party zu einem unvergesslichen Erlebnis machen.
Apropos Festivität: Das Release-Konzert findet am 23. Januar im Club Lucia in Wien statt.
***
ROSA HOELGER: „Fuer immer Gummistiefel“, VÖ 6. 2. 2026

Wollen wir uns nach all der Aufregung wieder ein bisschen beruhigen? „Fuer Immer Gummistiefel“, das erste Bandalbum rund um Liedermacherin Rosa Hoelger ist poppig, bunt und vielfältig. Die wunderbare Dota Kehr ist mit dabei und Tobias Dellit sowie eine über die Jahre zusammengewachsene Band aus Judith Retzlik, Tommy Schwarzbach und Lewin Grosse. Was gibt es da zu hören? Streicher, Keys, Akkordeon, Percussions. Jazz, Folk und Singer-Songwriter-Pop und vor allem: feinste Texte, schöne Stimmen und Stimmungen. Es tröpfelt, der Wind bläst dir ins Gesicht. Aber du hast ja deinen Walkman dabei und mit Rosa in den Ohren kann dir nichts passieren. Ab April ist die Band auf Tour in Deutschland, vielleicht seid ihr ja mal in der Nähe?