Stiegl-Cupfinale 2004: GAK Austria Wien, 23.
Mai 2004, 8:7 n.E.
Wolfgang Kühnelt
Cooler cooler GAK
Irgendwann zwischen dem 2:3 und dem 3:3 fragt mich meine
Ältere: Wieso singen die anderen Fans eigentlich
immer Cooler, cooler GAK...? An diesem
Nachmittag habe ich keine Lust zur Aufklärung und
belasse es bei einem komisch, gell.... Sie
hat ohnehin Recht, der GAK wirkt eindeutig cooler (außer
Pogatetz, der ist ziemlich heißblütig unterwegs).
So ein Cupfinale, das hieß schon in den Vorjahren
Kampf und Krampf, aber immerhin Spannung. So auch an diesem
Sonntag im coolen Mai 2004. Der GAK ist zuerst die offensivere
Mannschaft, spielt aber in Permanenz einmal um sich selbst
herum wie in der letzten Partie gegen die Admira.
Härteeinlagen so nennen das die Sportreporter
Härteeinlagen gibt es auch einige. Der ORF
scheint übrigens nach wie vor ziemlich angeschlagen:
Selbst der üblicherweise gute Kommentator Christopher
D. Ryan sagt einen einzigen Satz, der wirklich ins Volle
trifft: Was red ich denn da daher?, meint
er, als er uns gerade Weis machen wollte, Mario Tokic
spiele erst eine Saison in Österreich.
Die Austria übernimmt langsam aber sicher die Kontrolle,
erst recht als besagter Tokic mit gelb-rot raus muss.
Trotzdem überrascht es nicht, dass der coole, coole
GAK immer wieder heran kommt. Und als es dann ins Elferschießen
geht, bin ich mir sicher: Der ruhmreiche Kurzzeit-Pensionist
Franz Almer wird dem angeblichen Elfer-Killer Safar zeigen,
wo der Bartl und so weiter.
So einen verschossenen Elfer, den verzeihen sie dir lange
nicht. Raul zum Beispiel, der flinke Madrilene, wird das
Trauma vielleicht nie ganz los werden. Jeder, der einigermaßen
ruhig zum Ball hingeht, nicht drüber stolpert und
dann auch noch ins Tor trifft, ist ehrlich zu bewundern.
Einer nach dem anderen schießt ihn rein. Franz Almer
wirkt eigentlich immer lethargischer. Dann schnappt sich
der angebliche Austrianer Sean Dundee, der optisch wesentlich
besser zu Rapid passen würde, die Wuchtel und jetzt
rächt sich seine ganze verkorkste Saison. Almer funkelt
ihn wild an als hätten sie in einem früheren
Leben schlechte Erfahrungen miteinander gemacht. Dundee
schießt schwach und unplatziert, Almer ist in der
richtigen Ecke und der GAK hat mit Meisterteller und Pokal
erstmals das Double gewonnen. Unsere Schreie in der Wohnung
kann man mit Sicherheit bis ins alte GAK-Stadion in der
Körösistraße hören. Oh, oh, cooler,
cooler GAK...
Stiegl Cup Finale GAK Austria Wien 3:3 (n.V.
E: 8:7)
Martin G. Wanko
Gnackwatschn.
Elfmeterschießen hat etwas Unanständiges an
sich. Wer auch immer gewinnt, es ist der Falsche. Meistens
zumindest. Konnte die Austria gegen unsere Rauschkugeln
eine stocknüchterne Figur machen gut, ich
gebs zu, ein bisschen verbissen waren sie schon
und zum Lachen war ihnen auch nicht zumute, Kitzbichler
geht dazu in den Keller gaben wir uns cool. Die
rumgeschwängerte Gaberleinlage von Pogatetz wäre
den Violetten also nicht eine Minute lang eingefallen.
Aber je mehr die Wiener drückten, desto mehr ging
in die Hose. Ätsch! Bis halt der Elferkrimi dem einseitigen
Schuften ein Ende schuf. Ätsch, Ätsch!
Unser erster österreichischer Cupsieg, 1981: Fußballfastpensionist
Alfred Riedl schoss uns gegen die damalige Austria Salzburg
nicht unbedingt in den Fußballhimmel, dafür
wenigstens in Richtung vereinseigenen Plafond, zum ersten
Titel. Meine Wenigkeit, habs schon einmal erwähnt,
war damals auf einer unsäglichen Schullandwoche.
Seitdem bin ich ein Holland-Fan.
Also, genau so seicht und leicht wie diese Zeilen nehmen
wir es zur Zeit sportlich. Wenns nicht ganz so schwer
geht, nehmen wir auch noch den Pokal mit und feiern!
So ist das halt, wenn die Welle stimmt. Dann sitzen die
fünf Elfer, trotz Katerschweiß. Wow!
Also, was lernen wir aus dem gestrigen Match: Dass wir
auch ziemlich gut im Elferschießen sind, dass Lockerheit
nicht zwangsläufig zur Niederlage führt, dass
der, der nicht mehr wirklich will, noch lange nicht verliert,
dass das Double das Double bleibt und dass es einfach
schnuckelig ist, dem Almer Franzi auch ein kleines Hollywood
Happy End zu verschaffen.
Dabei hätte der Pokal bei seinem Bedeutungsverlust,
der fast schon einem neutralen Länderspiel gegen
Neuseeland gleich kommt, durchaus zur grantelnden Mutter
Austria Wien gepasst. Die hätten sich auch wirklich
gefreut, die Doofis. Aber so kann sich Onkel Strohsack
ein paar Quittungen in der Höhe von 25 Millionen
Euro in seine Vitrine hängen. Mit dem denkwürdigen
Lehrsatz: Außer Spesen nichts gewesen. Und den Herrn
Sionko lassen wir schön in Graz, Herr Strohsack!
Weil sonst gebührt ihnen das, was sie vielleicht
schon lange vermissen: Eine echte steirische Gnackwatschn.
Die zeichnet sich durch rote Streifen (auch Striemen genannt)
mit weißem Hintergrund (der Abstand zwischen den
Striemen) aus. Eine echte rote halt. Alles klar? In dem
Sinne: Auf das Double!
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