Herold Admira Wacker Mödling Liebherr GAK,
20. Mai 2004, 2:1
Wolfgang Kühnelt
Das Ende der Geschichte.
Irgendwann hört alles auf. Die meisterlose Zeit des
GAK zum Beispiel oder die Bundesliga-Übertragungsrechte
für den ORF. Selbst die Begeisterung über den
ersten Meistertitel wird bald abklingen. An diesem Donnerstag
ist aber alles noch so, wie es früher nie war.
Tausende und Abertausende GAK-Fans auf der Südautobahn
in Richtung Admira-Stadion. Ein Heimspiel
also in einem überraschend kleinen, veralteten Oval,
mit Infrastruktur wie in den 70er Jahren. Die Kantinenwirtin
bittet um Geduld. Jetzt habts 102 Jahr auf
den Titel gwart, werds die zehn Minutn a no ausholtn!
Das Stück, das an diesem Nachmittag gegeben wird:
Eine süße Niederlage, die niemanden wirklich
interessiert. Dollinger und Muratovic bemühen sich
sehr, auf der Gegenseite stolpert Linz durch die Gegend
und bekommt von unserer Abwehr ein Tor geschenkt. Und
der alte ehrwürdige Jugovic zeigt noch einmal, dass
Fußball auch mit dem Hirn gespielt wird, nicht nur
mit den Wadeln.
Es ist aller Voraussicht nach das letzte oder vorletzte
Spiel von Didi Ramusch im GAK-Dress, detto Milinkovic,
Almer und Goosens. Eigentlich also Grund zum Beifall von
den Rängen. In den Reihen vor uns aber sitzen die
VIPS reglos als ginge sie das alles nichts an. Steh
auf, wenn du ein Roter bist! schallt es von der
sonnigen Gegentribüne zu uns. Keiner bewegt sich.
Nur in der Pause werden sie munter. Einer ruft mir zu:
Endlich ein richtiger Fan! Erstaunlich, wie
konnte er mich in der Masse gleich erkennen? Nein, er
meint den Sponsoraufdruck auf meinem T-Shirt. ER IST DER
SPONSOR. Okay, gekauft. Ich wiederum sponsere die Admira.
War mir vorher gar nicht bewusst. Doppelt sogar: Mit meinen
Wirtschaftskammerbeiträgen (die WKO spendiert in
der Südstadt eine Bande) und mit meinen ORF-Gebühren
(die staatliche Fernsehanstalt hat sich gleich mehrere
Werbeflächen angemietet).
Dann pfeift der Schiri ab und Mister Stronach muss nolens
volens dem GAK den güldenen Teller überreichen.
Jubel, Trubel, Heiterkeit. Aber tief in meinem Inneren
sagt der Fan Kühnelt zum Berichterstatter Kühnelt:
So schön wie am Samstag, dem 15. Mai wird es
nie wieder sein. Und leider hat er Recht.
Herold Admira Wacker Mödling Liebherr
GAK, 20. Mai 2004, 2:1
Martin G. Wanko
Meister und Feier
Wie schnell sich doch etwas abnützen kann! Wer in
der Südstadt war, kann es bestätigen: Das am
Hauptplatz war nicht wirklich das, was man sich vom österreichischen
Fußballmeister erwarten sollte. Und die Feier im
Casinostadion entsprach dramaturgisch gesehen, eher der
Aufstiegsfeier von Pöllau in die erste Klasse, als
einer Meisterfeier der höchsten Spielklasse. Feuerwehrzeltromantik,
pur. Da muss man ganz ehrlich sagen: Dem Management wurde
es so eingebläut, keine Details der Meisterfeier
auszuplauschen, dass sie auf Nummer Sicher gingen: Am
besten nix planen, dann kann man auch nix verraten. Aber
lieber Meister ohne Plan, als zweiter mit Plan.
Wer aber in der Südstadt war, wird zugeben, dass
es gegen Pasching am schönsten war. Was für
die Fahrt in die Südstadt sprach, war, die Südstadt
einmal zu sehen. Die graue Maus geistert schon seit Kindesalter
in meinem Kopf herum, doch gesehen hab ich sie erst letzte
Woche, dieses mitten ins Grün, zwischen der SCS und
Konzernniederlassungen hingeschissene Sportzentrum. Als
Admiraner hat mans schwer. Hut ab vor denen, die
es geblieben sind! Die ausgedruckten Admira-Pressetickets
sprechen Bände. Die gleichen einem Würstelgutschein
eines Maturaballs. Irgendwie geil, vor allem total Österreich.
Lustig, dass auch in der Südstadt Kühnelt, Tochter
C. und ich x-mal gefragt wurden, ob wir eh von der Presse
sind. (Wir hatten ja tatsächlich dementsprechende
Karten.) Darf man sich in der Presse keinen Schal und
keine Fahnen leisten? Aber die Irritation am Presse /
VIP Sektor war schon gegeben, und für unseren VIP-Anhang
durchaus bezeichnend: Zur Sicherheit musste man unsere
Mäuschen und Salonlöwen mit Meisterleiberln
ausstatten, um wenigstens irgendetwas Rotes an ihnen zu
sehen. In Wahrheit hätten schon die berauschten rosa
Prosecco-Köpfchen gereicht.
Aber natürlich gegen Pasching wars am
Schönsten, der Tag an dem wir Meister wurden! Für
alles danach fehlte dann doch die Inszenierung. Oder wars
nicht doch gegen Sturm Graz fast noch schöner? Wie
wir der Austria immer noch den einen Sieg davonzogen,
wie eine unaufhaltsame Lokomotive? Oder das entscheidende
Spiel auswärts gegen die Austria? Schwer zu sagen.
Vergessen sollte man halt auch nicht die Spiele gegen
Vaalerenga, die Mannen aus Norwegen. Wie wir dann alle
schrieen: Wir wollen euch kämpfen sehn,
wir wollen euch ... . Wer war damals im Stadion,
von denen, die sich heute so als immer schon deklarierte
Rote ins Zeug werfen? Kein Schwein, richtig! Dürfen
die dann überhaupt den Meister feiern, können
die das spüren, fühlen? Darüber hab ich
mich schon mal ausgelassen, bin schon wieder ruhig. Der
Titel entschädigt auch gegen die Sympathisantenflut.
Aber vielleicht soll mit diesem Background das fast schon
peinliche Beknien der Fans gesehen werden, wenn man sie
bittet, fast mahnt, auch in den schlechten Tagen ins Stadion
zu kommen. Wir hatten meistens mehr Fans als die Admira,
aber nicht immer. Uns gibt es ohne irgendwas!,
sagte mir ein Admira-Fan. Bewundernswert, das schafft
aber nur die Admira. In dem Sinne, jetzt das Double bitte!
Auf die Roten!
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