GAK Pasching, 15. Mai 2004, 1:1
Martin G. Wanko
Weltberühmt in Graz!
(was war was ist was kommt)
Was war: Begonnen hat dieses Tagebuch ja mit einer Irrsinnsidee,
nämlich so zu tun als ob, aber natürlich mit
der großen Option: Auch genial scheitern ist etwas
wert. Aber, der Glaube an der Unmöglichkeit wuchs
und wuchs, nicht ohne die kolossale Schützenhilfe
der Veilchen. Rückblickend steckt auch eine Art Fairness
dahinter: Nehmen wir die Frühjahrsbilanz der ersten
vier Mannschaften, bei den Spielen in denen sie gegeneinander
angetreten sind, her. Demnach ergibt sich folgende Reihung:
Wir sind erster, gefolgt von Pasching(!), Austria und
Rapid. Weiters wäre anzuführen, dass Austria
dort mit 1:4 unterging, wo wir 4:1 gewannen. Aber der
Meister braucht ja nichts untermauern, das ist das Schöne.
Daran werden wir uns noch gewöhnen müssen. Wenn
du Meister bist, hast du das schlagkräftigste Argument
auf deiner Seite. Punkt.
Was ist: Warum ich eigentlich diese Zeilen schreibe: Um
mir zu erklären, dass wir Meister sind. Das sind
grundsätzlich nur sieben Buchstaben. MEISTER. Zur
Not hätten diese auch als Tagebucheintragung gereicht.
Aber wo bliebe dann ich? Ich muss es mir erklären
und vielleicht auch einigen von uns. Schreibt Briefe,
teilt es mit, ich glaube schreiben kann helfen. Trotzdem
bleibt dieses gewisse unvorstellbare Etwas zurück,
wie beim ersten (gelungenen) Sex. Plötzlich fangen
hartgesottene Herren neben einem zu weinen an, die vermutlich
das letzte Mal bei ihrer eigenen Geburt unter dem Tränenfluss
gelitten haben. Das macht aber auch die Magie aus. Magie
bedeutet nichts anderes, als dass etwas stattfindet, das
man sich durch den Hausverstand nicht so ganz erklären
kann. Sogar die Wissenschaften scheitern daran. Meister
sein ist magisch.
Was kommt: Wir würden gerne, aber wir müssen
nicht. Dieser Spruch wird bald zum alten Eisen gehören.
Den Titel muss man schlussendlich verteidigen. Natürlich
wird man schauen, wie und was, Pasching, Rapid, vielleicht
kommt sonst noch wer ganz unangemeldet in den Zirkel,
und noch ist nicht zu sagen, wie weit Frank Stronach sein
Füllhorn ausschüttet. Trotzdem, der Meister
muss verteidigt werden, dass verlangen wir, die Fans,
die auch bei Nebel und Gewitter ins Stadion kommen. Wir
haben ein Recht darauf!
Einen kleinen Vorgeschmack wie es nicht werden sollte
hat es bereits gegeben. Toni Ehmann trat nicht wie angekündigt
zur Sport am Sonntag Sendung auf. Dem dürfte wohl
der eine oder andere sonntägliche Schilcher in Deutschlandsberg
zum Verhängnis geworden sein. Schlag nach bei Sturm
Graz: Da haben einige Spieler das Bermudadreieck auch
mit dem Vereinsplatz verwechselt. Nicht unverständlich.
Die Buam san jung! und plötzlich ist
man nicht mehr der Trottel mit der Wuchtl, sondern ein
Mensch mit Wiedererkennungswert ein Star. Und das
muss man in jungen Jahren einmal verkraften. Vielleicht
kapieren sie es. Ansonsten bleibts dabei: Weltberühmt
in Graz.
Aber trotz aller Sorge: Danke! Ihr habt uns glücklich
gemacht. So ein Tag, so ... .
GAK Pasching, 15. Mai 2004, 1:1
Wolfgang Kühnelt
Das Leben hält keinem Vergleich mit dem Fußballsport
stand.
Samstag, 15.30, Schwarzenegger-Stadion. Kein Spiel wie
jedes andere. Eigentlich überhaupt kein Spiel. Mit
Fußball hat das alles nur am Rande zu tun. Schon
nach wenigen Minuten werden die ersten News aus Mattersburg
per Mundpropaganda und SMS weitergeleitet: Mattersburg
führt gegen die Austria. Es wäre nicht der GAK,
wenn wir nicht alle miteinander dennoch 93 Minuten zittern
müssten. Na ja alle? An einem Tag wie diesem sieht
man naturgemäß sehr viele Menschen, die wohl
noch nie zuvor ein GAK-Match live erlebt haben, die aber
dafür lautstark ihre exotischen Kommentare zum Geschehen
abgeben. Es sei ihnen vergönnt, auch wenn sie die
wahre Dimension dieses Nicht-Spiels wohl nicht verstehen.
Umso berührender ist es dann, echten, wirklichen,
richtigen, authentischen Fans zuzusehen, wie sie nach
dem Schlusspfiff die Fassung verlieren. Neben Wanko weint
einer, dem man ansieht, dass er bei einem Haufen von Heimniederlagen
in der zweiten Liga dabei war. Ein Mittvierziger strahlt
meine Tochter an und sagt: Du bist ein liabes Diandl!
Mein Sohn ist so ein Depp! und von einer Sekunde
auf die andere sieht er aus, als sei nicht die Lieblingsmannschaft
seines Sohnes vom Abstieg bedroht, sondern die eigene
Truppe.
Die Durchsagen des Stadion-Sprechers sind an diesem Tag
das einzige, das uns kalt lässt. Raus auf den Platz!
Martin Amerhauser (Mauser) und Gernot Sick
können gar nicht anders als meine fiebrige Pratze
zu drücken und sich gratulieren zu lassen.
Wenn jemand an diesem Tag einen Fairness-Pokal verdient,
dann sind es die Pasching-Fans, die sich ganz offensichtlich
mit uns über den neuen österreichischen Fußballmeister
GAK freuen. 102 Jahre haben ein Ende. Danke, GAK.
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