SK Sturm Graz – GAK, 9. Mai 2004, 0:2
Martin G. Wanko

Wir woll’n die Mannschaft seh’n!
Das Spiel hätte mich fast mehr gekostet als erwartet. Damit meine ich nicht das GAK-Trikot und die Schweißbänder, die sich Tochter C. herausluchste. Ich hielt mich an Rudi Roth, der GAK soll 1:0 gewinnen, meine Tochter tippte auf ein 3:1. Das Wettbüro hätte uns ganz schön abgezockt. Wie das eben so ist mit Profi-Tipps, zeigte sich schon bei der CUP-Begegnung gegen Ried. Da prophezeite mir Sportredakteur August Kuhn nach der ersten Halbzeit eine Niederlage gegen den Red Zac Ligisten. Pustekuchen!

Apropos Red Zack Liga: Die könnte ja, wenn das so weitergeht, einen prominenten Neuzugang verzeichnen, einen in schwarzweiß. Ich sehe schon den sarkastischen Nachruf aus Wien: Von der zweiten Champions-League Runde in die zweite Liga. Rumpl di pumpl und weg ist der Kumpl! Aber wir sollten uns ja bekanntlich auf uns konzentrieren. Gestern waren wir nach längerer Abstinenz wieder „bei den Wilden“, wie Tochter C. so schön zu sagen pflegt. Dort ist man ja schon als Stöpsel so richtig groß!

Da erinnere ich mich an das alte Liebenauer Stadion, als mich mein Vater in der Volksschule noch bei sich behielt, aber später in der Hauptschule im Schutz meiner Freunde (Schutz? Durch die rauchte ich meine erste Marlboro Menthol!) zu den Wilden entließ. Was war das damals? Ein Kern von vielleicht 100 Eingefleischten, zu vergleichen mit einem heutigen Red Zac Liga Verein, oder noch eine Klasse darunter. Das Irre damals war, die gegnerische Mannschaft mit ihren Fans ließ man einfach an sich vorbeiziehen. Nur ein Steg über der Einfahrtsrampe trennte einen von dem „Feind“. Feind? Damals war das der nicht Gleichgesinnte.

„He Burli, bring ma a Cola Rot.“ Das hat damals ich glaube der Girli, so war der Name, zu mir gesagt. „Und nimm da a was mit!“. Da fühlt man sich ja gleich fünf Jahre älter und läuft für den Girli. So ging’s zu, im intimen Rahmen, 1982. Bauernkick, würde so manch Roter heute verächtlich sagen, in Zeiten wo bengalische Feuer und Megaphone zur Standardausrüstung gehören. Doch ist es nicht so schlecht, nicht zu vergessen, wie das alles einmal war, und nicht nur in Graz! Girli sah ich gestern wieder, hat sich nicht verändert, die Jeansjacke auf die Lederjacke genäht, nehme mal an, die gleiche, wie früher. Hinten noch immer das 1860 Banner. Nach wie vor möchte ich seine Leber nicht haben. Aber immerhin, er lebt noch. Mittlerweile dürfte Girli schon 50 Lenze auf den Titel warten. Ich glaube für solche Menschen wird man Meister, eigentlich nur für diese. Damit das Leben einen Sinn hat. Zumindest diesen.

„Auf die Roten!“

SK Sturm Graz – GAK, 9. Mai 2004, 0:2
Wolfgang Kühnelt

Hannes Kartnig, Hannes Kartnig, hörst du nicht?
{Zu singen nach der Melodie von „Bruder Jakob“.} Hörst du nicht, hörst du nicht den Meister, hörst du nicht den Meister? GAK. GAK. Fräulein Wanko, der junge Vater Wanko und ich machen an diesem vereinshistorischen Muttertag eine Erfahrung der erfreulichen Art. Im gut gefüllten Sektor 9, als „Auswärtsfans“ im eigenen Stadion, können wir nach Herzenslust schreien, singen und hüpfen, ohne dass uns jemand für plemplem hält. Das Spiel selbst ist von Anspannung, Suche nach Sicherheit und mittelmäßigen Gehässigkeiten geprägt. Am Anfang sind die Roten besser, dann eher die Schwarzen. Mario Haas hätte an diesem Tag seinen Beliebtheitsgrad bei GAK-Fans weiter nach unten absenken können, aber diesmal bleibt er wie der traurige Rest der schwarzen Truppe auf Grund eigenen Unvermögens ohne Torerfolg. Die Halbzeitpause (Stand 0:0) erlebe ich relativ gelassen, ich bin mir sicher, dass Kollmann heute trifft und wir zumindest ein Unentschieden erreichen. Lästig ist, dass für Hundertschaften von roten und Dutzendschaften von schwarzen Anhängern in unseren Sektoren kaum Getränkelieferanten zur Verfügung gestellt werden. Hauptsponsor Puntigamer kann sich beim SK Sturm dafür bedanken, dass an diesem Nachmittag vergleichsweise wenig Bier und Limo geflossen ist. Im zweiten Durchgang zieht Muratovic gegen Filipovic die so genannte Notbremse, die Aktion ist verständlich, der Ausschluss gerechtfertigt. Genau in diesem Moment weiß ich, dass wir heute gewinnen werden und ich bin wahrscheinlich nicht der einzige. Sturm wird immer belangloser, teilweise spielen sie wirklich schon zweitklassig. Der GAK übernimmt die Kontrolle und Kollmann macht sein Tor. Sehr clever, ein Freistoß schnell geschossen und Mandl kann nur zuschauen. Danach werden die Sturm-Spieler auf eine nicht sehr angenehme Art aggressiv, doch Bazina hat die richtige Antwort: 0:2. Jetzt kennt die Freude in Sektor 9 keine Grenzen mehr. Es wird generationsübergreifend gesungen, getanzt und die Umarmungen werden fast erdrückend.

Einige meiner Freunde und Bekannten sind Sturm-Fans, meistens sehr fair und versiert in Sachen Fußball. Bei denen möchte ich mich für die „Uh, uh, uh“-Rufe gegen Rabihou und Silvestre und für die demütigende Niederlage entschuldigen. Hannes Kartnig aber, Ronnie Brunmayr und Boban Dmitrovic (to name a few) vergönne ich dieses Resultat aus vollstem Herzen. So ein Tag, so wunderschön wie heute, so ein Tag, der sollte nie vergehn...

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