GAK SV Ried, 4. Mai 2004, 3:2
Martin G. Wanko
Verhaltene Chilis!
Also das Essen war ziemlich super. Ich hab mir selten
so einen fein gewürzten Bohneneintopf hineingezogen.
Chili ist ein, sagen wir einmal, heimtückisches Gewürz.
Zu wenig ist sinnlos, da der Eintopf dann nicht die nötige
Klangfarbe hat, zu viel ist halt dann doch Feuer, tötet
alles, was sonst noch mundet ab und freut maximal den
Wirten, wenn er die Getränke abrechnet. Wenn man
einen Bohneneintopf zubereitet, sollte er anfangs wirklich
eine Nuance über der gewünschten Schärfe
liegen, diese wird beim langwierigen Garprozess durch
die austretenden Fette des Fleisches und der beigesetzten
Öle egalisiert. So gegessen in der Presselounge beim
Stiegl-CUP Halbfinale gegen Ried. Aber wirklich gemundet
hat es doch nicht. Für zu viel Hitze sorgten die
Roten. War doch in der Halbzeit Feuer am Dach. Puuuh!
Psychologie und Gruppendynamik: Ich will einmal sagen,
die Roten standen unter Schock. Frei nach dem Motto, wenn
nichts mehr passieren kann, passierts allemal! Ich
stell mir den schranzischen Kracher, wenn
alle Bänder reißen ziemlich unangenehm vor,
schon in den Gehörgängen. Krrrcks! Und autsch!
Und aus! So schnell kann es gehen und das wissen auch
die Spieler. Wer ist der Nächste?
So gesehen fand ich das schon ziemlich optimistisch, dass
man gegen Ried nicht die U17 aufstellte. Lienhart war
dann doch nicht wirklich mehr als ein Ersatzgolie und
wird sich die nächsten Spiele einmal am Bankerl akklimatisieren.
Aber Schwamm darüber.
Wenn nicht Schranz, dann kommt Franz! Hält der Almer
die ersten Bälle gegen die Schwarzen, ist alles wieder
in Ordnung. Von Almer wird auch niemand verlangen, dass
er sehr gut spielt, gut müsste bei der Hintermannschaft
eigentlich genügen. Vermutlich wollte es sein Schicksal
so, auch Almer muss einmal Meister werden. Oder doch nicht?
Das Zittern ist wieder zurück, stimmts? Aber
trotzdem, jetzt erst recht! Was kommen muss, lässt
sich nicht aufhalten, also Zuversicht, meine Herrn!
Das Schönste am Halbfinale war, dass nur echte Fans
am Platz waren. Das schafft mit 4500 Zuschauern eine ehrlichere,
bessere Atmosphäre, als mit der Beamten- und Angestelltenfraktion
als Pufferzone. Nichtjubel steckt an! Doch ganz hinten,
in der Medienzone, war es wie immer etwas verhalten. Klar,
wenn man einen Bericht schreiben muss, der am nächsten
Tag in der Zeitung sein soll, ist es bei Gott nicht konzentrationsfördernd,
wenn man in Jubelgegröle ausbricht. Eine gewisse
Scheinobjektivität gehört bekanntlich auch zum
Understatement. Trotzdem, die Ruhe erinnert mich an den
Tag als ich als Junge erstmals bei Werner Sabath in der
ORF-Kabine Platz nehmen durfte. Damals war es auch ruhig,
sehr ruhig. Manches ändert sich nie. In dem Sinne:
Auf die Roten!
GAK SV Ried, 4. Mai 2004, 3:2
Wolfgang Kühnelt
Oben auf dem Juche.
Cup-Halbfinale. Arnold-Schwarzenegger-Stadion. Wir sitzen
hoch oben bei den Journalisten, wo Fans wie wir eigentlich
nichts verloren haben. Eine dicke Brüstung trennt
die Objektiven, die dafür gezahlt bekommen,
dass sie hingehen, von den Subjektiven, die
für das selbe Vergnügen zahlen. Das schöne
an diesem Sitzplatz sind die Fernsehschirme, die sofort
strittige Szenen noch einmal zeigen. Der Traum jedes Fußballfans,
eine TV-Wiederholung live im Stadion! Das weniger Angenehme:
Durch die räumliche Distanz baut man unwillkürlich
auch eine emotionale Entfernung zum Geschehen auf.
Die meiste Zeit denke ich ein Cup-Spiel des GAK gegen
Braunau. Muss so vier oder fünf Jahre her sein. Das
Besondere daran: Ich war mit einem aus Braunau dort. Und
am Ende der GAK hatte knapp gewonnen tat
mir der Zweitligist aus Oberösterreich samt seinem
Anhang leid.
An diesem 4. Mai ist es genauso. Ried gibt sich engagiert
und kämpferisch, aber eben nicht clever genug. Der
GAK wirkt nervös, wohl nicht zuletzt weil der sichere
Rückhalt Schranz verletzt zuhause liegt. Wir roten
Anhänger kennen das von früher: Zur Pause 0:1,
damit die 15 Minuten Herumgestehe nur ja keinen Spaß
machen. Ein Kopfballtor vom baumlangen Sidi Be, den keiner
decken mag. Nach der Pause machen sich Muratovic und später
Bazina sehr angenehm bemerkbar, auch Dollinger rennt sich
die Seele aus dem Leib. Tokic hingegen hat nicht seinen
besten Tag, in der Defensive nicht wirklich sicher, verhaut
er auch noch einen Elfer. Dennoch gelingt den Roten durch
Pogatetz der Ausgleich. In der 64. Minute schickt sich
ein Rieder durch ein dummes Foul selbst in die Kabine.
Einen neuerlichen Elfer verwandelt Dollinger. Der GAK
wirkt immer souveräner und trotzdem machen
die Rieder das nächste Tor. 2: 2 und unser neuer
Keeper Lienhart wirkt, so wie die gesamte Hintermannschaft
an diesem Abend, leicht überfordert. Sick, der sich
langsam zum Goalgetter in wichtigen Situationen macht,
erzielt in der Nachspielzeit das 3:2. Der GAK ist weiter,
die Rieder sind begreiflicherweise enttäuscht.
Ein Fan, wie er in keinem Buche steht, ruft mich aus Marokko
an, wie denn das Spiel ausgegangen ist. Und oben auf dem
Juche reden sie noch lange über die Frage: Almer
oder Lienhart?, statt sich Gedanken darüber
zu machen, wie man DOUBLE buchstabiert.
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