Austria Wien GAK, 25. April 2004, 1:3
Ute Baumhackl*
Auswärtsspiel
Am 25. April, so gegen 17 Uhr, ist mir aufgefallen, dass
ich seit Jahren bei keinem Auswärtsspiel mehr gewesen
bin; außer beim Derby, wenn Sturm Veranstalter war.
Und das, das weiß ich jetzt, sind keine richtigen
Auswärtsspiele, die gelten nicht, die sind lulu,
weil sich in Graz die Fans zu gut vertragen; da gehen
ja die Roten und die Schwarzen miteinander ins Stadion
und nachher noch ins Café Bali.
Aber Leben heißt lernen, und echte Auswärtsspiele,
wenn ich das gleich so weitergeben darf, sollte man im
Fan-Sektor verbringen, im Horr-Stadion also auf der Ost-Tribüne,
und nicht auf der Nordtribüne (Sektor B), wo ich
saß und mir Ärger einhandelte.
Und das kam so: 32. Minute, Herr Bazina schießt
ein Tor, ich springe, tanze und singe. Ich bins von zuhaus
halt so gewohnt. Rundum Stille, alle hassen mich stumm.
Bis direkt hinter mir einer was sagt: "Setz di. Sofort.
Hin. Sofort." So im Ton des gewerbsmäßigen
Amokläufers.
Ich glaub's erst nicht, bin doch ein Mädchen!, dreh
mich um, er sieht echt böse aus. Und eine Lederhose
hat er auch noch an. Lustig, wie so etwas tiefsitzende
Ängste weckt: Das denke ich aber erst viel später,
erst einmal trinke ich vor Schreck mein Bier aus. Das
macht mich leider nicht mutiger; fortan juble ich mehr
verhalten. Den hinter mir hält das nicht davon ab,
mir mit einer zusammengerollten Papierfahne auf den Kopf
zu hauen, als Dheedene gleich nach der Pause ausgeschlossen
wird.
Bei den Toren 2 und 3 bleibe ich sitzen, klatsche (leise)
und beschränke mich darauf, das zu tun, was alle
Unterdrückten machen: Ich freu mir still und heimlich
einen Ast, wie dem da hinten seine Mannschaft zerbröselt.
Mit dem 3:0 breitet sich aus Richtung Osttribüne
ein dünner, aber in den schönsten Farben schillernder
Klangteppich übers sonst totenstille Oval: WIR WERDEN
MEISTER! WIR WERDEN MEISTER! Lange vor Spielende leert
sich das Stadion, auch Travis Bickle geht nach Hause seine
Katze quälen.
Tolles Spiel.
Eines, bitte, hab ich nicht verstanden: Warum singen die
Austria-Fans "AUF WIE-DER-SEHN! AUF WIE-DER-SEHN!",
wenn ihre Mannschaft verliert? Schämt man sich da
nicht still? Und sollte denen das nicht einmal jemand
erklären?
* Ute Baumhackl, Journalistin (Die Presse), Wahlwienerin
(Leopoldstadt), Fußballfan (GAK)
Austria Wien GAK, 25. April 2004, 1:3
Martin G. Wanko
Großvater!
Einmal Leobner, immer Leobner, so schlimm diese These
von außen betrachtet auch klingen mag, so wahr ist
sie in Bezug auf meinen Großvater. Einmal DSV, immer
DSV! Da hat es kurzfristig glorreiche Zeiten gegeben,
wo das Säckel vom Bund ziemlich locker saß,
und der Verstaatlichtenminister den Leobnern das Hochofenballett
schenkte, vielleicht auch aus schlechtem Gewissen: Bei
Windstille und Schneefall sorgte die eisengeschwängerte
Luft für rostig braune Schneeflocken. Doch das Geld
wurde knapp, so wurde der Donawitzer Sportverein zweitklassig
und zur kostengünstigen Talenteschmiede für
rot und schwarz. Den erstklassigen DSV konnte Großvater
also nur noch durch die Individualleistungen ehemaliger
Donawitzer beobachten. Der ewige Held, Schoko Schachner.
Großvater schaute immer, wann und wie. Eine Zeit
lang gefiel ihm sogar die Fernsehwerbung. Da gab es einen
Schokoriegel namens Schoko-Koko, außen Schoko und
drin Kokosflocken. Da hupfte Schachner mit Ball und Snack
über die Bildfläche. Eigentlich ziemlich peinlich,
fast schon wie der GAK-Schachner-Energydrink, aber doch
noch erträglicher als das Sturm Graz Puntigamer Bier.
Also Großvater verfolgte den Schoko durch ganz Italien,
bis hin zur Trainer Station bei der Austria. Als Schoko
heimkam, in die Steiermark, war Großvater nicht
mehr. Aber immer noch gilt sein Satz: Ohne DSV geht gar
nix. Das musste auch die Ooostria die dem Oooosgleich
nachlief (© Ute Baumhackl), sich eingestehen. In
dem Sinne: Auf die Roten!
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