POPKULTUR IM NOVEMBER


Kino-Film des Monats: „Crossing the Bridge. The Sound of Istanbul“ von Fatih Akin



Fatih Akin, türkisch-deutscher Regisseur, liebt die Abwechslung. Nach einigen erfolgreichen – und überaus unterschiedlichen – Spielfilmen („Gegen die Wand“, „Solino“) wagt er sich mit seinem jüngst angelaufenen Streifen auf das nicht ungefährliche Terrain der Musik-Dokus. Hier sind schon namhafte Regisseure wie Wim Wenders mit viel Aufwand gescheitert und zwar oft an der eigenen (positiven) Voreingenommenheit und blindwütigen Begeisterung für das Objekt der Betrachtung. Fatih Akin begeht diesen Fehler nicht oder nur in Ansätzen, vor allem weil er es versteht, auf gleicher Höhe mit den „Darstellern“ zu bleiben, sie nicht zu glorifizieren.

„Crossing the Bridge“ führt Alexander Hacke, den Bassisten der Einstürzenden Neubauten, in die türkische Millionenmetropole. Sein Auftrag: Den Sound der Stadt zu studieren. Am Ende eines ausführlichen Streifzugs durch Clubs, Studios und Bars meint Hacke, er wäre wohl doch nur an der Oberfläche geblieben, und wahrscheinlich hat er Recht damit. Dennoch bietet der Film (für uns) neue überraschende Einblicke in die türkische Musikszene, schöne Kurzportraits von Künstlern unterschiedlichster Gattungen und auch ein wenig Kritik an den bestehenden Verhältnissen. Wer mehr über Hiphop aus Istanbul, die Musik der Kurden und Roma oder über die Lage der Straßenkünstler erfahren will, sollte sich „Crossing the Bridge“ ansehen. Wer Türken und Türkinnen lieber weiterhin als reaktionäre Gestalten sehen will, die hinter dem Mond leben, kann zuhause bleiben.

Link: www.crossingthebridge.de