Fatih Akin, türkisch-deutscher Regisseur,
liebt die Abwechslung. Nach einigen erfolgreichen
und überaus unterschiedlichen
Spielfilmen (Gegen die Wand,
Solino) wagt er sich mit seinem
jüngst angelaufenen Streifen auf das
nicht ungefährliche Terrain der Musik-Dokus.
Hier sind schon namhafte Regisseure wie
Wim Wenders mit viel Aufwand gescheitert
und zwar oft an der eigenen (positiven)
Voreingenommenheit und blindwütigen
Begeisterung für das Objekt der Betrachtung.
Fatih Akin begeht diesen Fehler nicht oder
nur in Ansätzen, vor allem weil er
es versteht, auf gleicher Höhe mit
den Darstellern zu bleiben,
sie nicht zu glorifizieren.
Crossing the Bridge führt
Alexander Hacke, den Bassisten der Einstürzenden
Neubauten, in die türkische Millionenmetropole.
Sein Auftrag: Den Sound der Stadt zu studieren.
Am Ende eines ausführlichen Streifzugs
durch Clubs, Studios und Bars meint Hacke,
er wäre wohl doch nur an der Oberfläche
geblieben, und wahrscheinlich hat er Recht
damit. Dennoch bietet der Film (für
uns) neue überraschende Einblicke in
die türkische Musikszene, schöne
Kurzportraits von Künstlern unterschiedlichster
Gattungen und auch ein wenig Kritik an den
bestehenden Verhältnissen. Wer mehr
über Hiphop aus Istanbul, die Musik
der Kurden und Roma oder über die Lage
der Straßenkünstler erfahren
will, sollte sich Crossing the Bridge
ansehen. Wer Türken und Türkinnen
lieber weiterhin als reaktionäre Gestalten
sehen will, die hinter dem Mond leben, kann
zuhause bleiben.
Link:
www.crossingthebridge.de