Ein amerikanischer Schreiberling verliebt
sich im Gefolge der WM 1994 in den Fußballsport,
speziell in die italienische Variante. Er
wird zum Fußballverrückten, der
den beschaulichen Urlaub in der Schweiz
unterbricht und auf abenteuerlichen Wegen
hunderte Kilometer reist, um einmal bei
einem Spiel des AC Milan gegen Lazio Rom
dabei zu sein. Bei seinen Recherchen stößt
er Jahre später auf einen kleinen Provinzklub,
dem es durch eine Anhäufung mittlerer
bis großer Wunder gelungen ist, bis
in die zweithöchste Spielklasse (Serie
B) aufzusteigen. McGinniss beschließt,
eine Saison im Bergdorf Castel di Sangro
in den Abruzzen zu verbringen.
Das Resultat ist ein im wahrsten Sinne des
Wortes wunderbares Buch über
die italienische Mentalität, die Emotionen
eines echten Fans und die Gepflogenheiten
im modernen Sport abseits der Fernsehkameras.
Bei der Wahl des besten Romans über
Fußball könnte die Entscheidung
zwischen Hornbys Fever Pitch
und dem Wunder von Castel di Sangro
knapp ausfallen. Schildert Hornby das traditionsbewusste
Mutterland des Football noch vor dem Auftauchen
der Milliardäre auf den Präsidentensesseln,
so steht bei McGinniss der Einfluss diverser
mehr oder minder obskurer
Patrone auf den Calcio bereits
im Mittelpunkt des Geschehens.
Der Faszination des Amerikaners können
weder die seltsame Geschäftspolitik
des Vereinsvorstands noch die große
Zahl an erbärmlichen Zitterpartien
etwas anhaben. Doch am Ende des Romans kommt
es zu einer riesigen Enttäuschung,
die den Leser in eine kräftige Depression
stürzt. Wer Happy Ends bevorzugt, sollte
die Lektüre auf Seite 464 beenden,
alle anderen lesen weiter bis zum bitteren
Finale. Ein Buch, das Ihre Sicht auf den
Fußball nachhaltig verändern
wird, egal ob sie ihn bisher geliebt, ignoriert
oder abgelehnt haben.