GAK SW Bregenz, 7. April 2004, 1:0
Martin G. Wanko
Berichte aus Neuamerika
In Bregenz weilt meine Wenigkeit öfters als sonst
wo, falls ich nicht in Graz anzutreffen bin. Das Leben
meines Vaters hatte dies so vorgesehen, also zählt
Neuamerika, wie ich es gerne nenne, zu meinen nicht so
nahen Zielen in unserem kleinen Land. Mitunter natürlich,
um im Bregenzer Casinostadion als optisch deklarierter
Roter aufzutauchen. Und das ist dann doch so ein einzigartiges
Gefühl, das einem die hiesigen SW-Fans entgegenbringen,
dieser Respekt davor, für die eigene Mannschaft über
600 km zurückzulegen.
Nun, wie war die Stimmung, gestern? 5:0 oder 2:1 für
die Roten, hat es geheißen. Dazwischen war wenig
zu finden. Entweder Volltetschn oder knapp aber doch an
den Punkten vorbei, so die SW-Fans. Natürlich gibt
es Leckereres als ein 1:0, sorgt aber dennoch für
eine gewisse Genugtuung. Das 4:1 gegen sie, gegen die
nicht meinigen Roten, der letzte Kick vor dem denkwürdigen
Ajax Auswärtsspiel, ist in meinem Langzeitgedächtnis
noch immer on air. Darunter leidet gerade Wanko Senior
sehr, wird er doch am nächsten Tage alle fünf
Meter aufgezogen. Aber gestern war man sich einig, die
Roten, also wir, machen das Rennen.
Natürlich, ein eins zu null ist und bleibt eine hauchdünne
Angelegenheit, spannend wie das Vorbereiten eines Apfelstrudels
aus Blätterteig. Reißt die dünne Haut,
oder nicht. Gestern hat sie gehalten, bei meiner Mutter
und bei uns Roten. Zwei erstaunliche Aspekte bleiben zurück:
Erstens, Regi van Acker. Der illustre Bregenzer Trainer
und Choleriker kam gestern ohne seine Standardantwort
Alle anderen haben mehr Zaster. aus. Gestern
meinte er, der aussieht wie der Godfathers Leadsänger,
Peter Coyne, (kann sich noch wer an die sensationelle
Birth, School, Work, Death Scheibe der späten
80er erinnern?), gestern meinte also Regi: Ich bin
stolz auf die junge Mannschaft, die sich gegen den neuen
Meister hervorragend geschlagen hat. Meister? Ja,
Meister. Die Vorarlberger Nachrichten machen mit den Lettern:
0:1 Niederlage gegen den Titelfavoriten aus Graz
auf. Auch die Neue Vorarlberger Tageszeitung steht mit
0:1 beim Titelfavoriten ist für SW Bregenz
kein ..., um keinen Deut nach. Dazu meinte ein GAK-Fan
und Denker in Sachen Fußball, Kunst und Leben ganz
zurecht: Jetzt müssen wir es nur noch werden.
Ein sehr typisches Denken für einen Roten. Zu oft
ging schon alles im letzten Moment in die Binsen ... .
Ein gewisser Grundpessimismus schützt uns vor einem
zu harten Aufprall in der Realität ...
Zweitens, die Weichen sind gestellt, auch bei den Fans.
Schrille Pfiffe gegen das Schiri-Team, wie in der
Gruabn. Da gehen Kühnelt und Schelch daccord.
Nach dem Spiel rief ich noch meinen Dichterkollegen und
Freund Wolfgang Mörth an. Dessen Vater von der steirischen
Landesliga im Jahre Schnee zu SW kam und sich auch in
Bregenz ansiedelte. Natürlich kam aus mir nur ein
Satz heraus, Sie wissen schon welcher? Na sicher! Auf
die Roten!. Mörth nahms mir gar nicht
so übel ... .
GAK Bregenz, 7. April 2004, 1:0
Wolfgang Kühnelt
Wie wir das letzte Mal von Herrn Wanko lernen konnten,
gibt es Fans und Sympathisanten, Ignoranten und Verweigerer.
Und dann gibt es meine Tochter E. Sie verehrt genau zwei
Fußballer in Österreich: Martin Amerhauser
vom GAK (sie nennt ihn Mauser) und Nzuzi von
Bregenz (die Kommentatoren sprechen ihn NNN-Susi
aus, bei ihr heißt er Susi).
So gesehen hätte E. an diesem saukalten Mittwoch
ihre helle Freude gehabt, beide durften spielen (Amerhauser
bis zur 65. Minute, Nzuzi ab der 46.) und beide machten
ihre Sache nicht so schlecht. Doch bei der späten
Beginnzeit (19.30) nehme ich das Kind auch dann nicht
mit auf den Platz, wenn ihre beiden Darlings antreten.
Aber die Frage Mauser oder Susi? war ohnehin
nur eine Nebenfront. Das erfreulichste: Endlich war so
etwas wie Fußballplatz-Atmosphäre bei einem
GAK-Heimspiel zu bemerken. Die gut 8.000 gingen alle aus
sich heraus, egal ob Stehplatzsteher, Sitzplatzsitzer
oder VIP-Club-VIPs. Das unerfreulichste: Es gab jede Menge
zu schimpfen. Entweder der Unparteiische Sowa
hatte einen rabenschwarzen Abend oder es war Absicht.
Eine derartige Ansammlung von Fehlentscheidungen, Missinterpretationen
des Regelbuchs und mangelhaftem Überblick hat noch
selten ein Schiedsrichtertrio in meiner Gegenwart geboten.
Zu den Fakten: Der GAK dominiert zu Beginn und bald schon
gab es die ersten großen Torchancen. Dann schlägt
Bregenz zurück und trifft zweimal nur den Pfosten.
Zu diesem Zeitpunkt hätte ich nicht mehr auf Sieg
für die Roten gewettet. Libor Sionko, an diesem Abend
bravourös und in Bestform, sorgt nach einer Flanke
von Mauser in der 24. Minute doch für
das 1:0. Das erste SMS an Herrn Wanko wird ausgesendet.
Mein Sitzplatznachbar kommentiert das mit na, musst
du wieder Bericht erstatten?.
Knapp vor der Pause dann eine der unverständlichen
Handlungen von Sowa. Nach einem Zusammenstoß, der
wirklich nicht nach absichtlichem Foul aussieht, schließt
er Muratovic aus. Die Pfiffe gellen in der Folge durch
das Schwarzenegger-Stadion. Irgendwann verliert Sowa in
der zweiten Hälfte nicht nur komplett die Nerven
sondern sogar seine Karte beim Versuch, sie zu zücken.
Die letzten 45 Minuten (plus unerklärlicher Nachspielzeit
von vier Minuten) hält sich der GAK auch mit zehn
Mann tapfer. Zwar erkennt man das entstandene Loch, aber
die Defensive lässt nichts anbrennen und im Angriff
vergeben Kollmann und später Naumoski Riesengelegenheiten
auf einen höheren Sieg. Ist noch einmal gut gegangen.
Aber langsam merkt man, dass wir uns in der entscheidenden
Phase des Titelkampfs befinden. Es wird verdammt ernst.
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