Rapid GAK, 3. April 2004, 0:4
Wolfgang Kühnelt
Auswärtsspiel. Ich kicke an diesem 3. April nachmittags
einigermaßen entspannt mit zwei Miniknaben aus meiner
Bekanntschaft einen roten Plastikball durch die Gegend.
Das Mobiltelefon vibriert in meiner Hosentasche. Wanko
junior hat von Wanko senior (der offensichtlich Premiere
hat oder am Teletext klebt) erfahren, dass der GAK 0:1
führt. Das wundert mich überhaupt nicht, ich
habe nämlich auf einen 1:2 Sieg von uns getippt.
Dann ist Pause und ich freue mich still vor mich hin.
Erneut das Vibrieren und wieder eine gute Nachricht. 0:2.
Ich kicke weiter den roten Plastikball in Richtung des
Tors, das aus zwei Besenstielen gebildet wird. Und als
ich langsam unruhig werde schließlich sollte
in Hütteldorf langsam abgepfiffen werden vibriert
es wieder. 0:4 Endstand.
Der kleine J., GAK-Fan, grinst seinen großen Bruder
N., Sturm-Fan, hämisch an. Ich versuche zu vermitteln:
Hoffentlich gewinnen die Schwarzen morgen gegen
die Austria. Dann dränge ich zum Aufbruch,
ich will um alles in der Welt nicht die Bundesliga-Sendung
im ORF versäumen.
Selten war Fernsehen so entspannend. Zuerst der schreckliche
Patzer der Rapid-Abwehr (von einem kuriosen Sieg
wie es auf www.skrapid.at heißt, kann nach solchen
Aktionen wohl keine Rede sein), dann das 0:2 für
Muratovic nach präziser Flanke von Amerhauser (ich
hab es ja gesagt, der wird wieder), der etwas glückliche
Elfer von Tokic und dann noch der Bombenschuss von Libor
Sionko zum 0:4. Seit dem 0:5 Triumph gegen Sturm wahrscheinlich
der schönste Sieg in den letzen Saisonen. Sehr beruhigend,
dass der GAK auch ohne Kollmann-Tore in Serie gewinnen
kann. Nachsatz: Natürlich haben die Schwarzen nicht
gewonnen. Der Kampf um den Meistertitel bleibt spannend.
Rapid GAK, 3. April 2004, 0:4
Martin G. Wanko, Der Sympathisant
Komm, sagt es allen Menschen, die Scheiße
ist in Hüttldorf zu Haus! Meine Wenigkeit war
ja in Wien, leider nicht im Hanappi Stadion, aber zumindest
in der Feindesstadt. Nun war meine Besprechung äußerst
interessant, vor allem unterhaltsam, nämlich mit
zwei tendenziell Grünweißen, also Sympathisanten,
und zwei echten Fans. Kurz der Unterschied zwischen Sympathisanten
und Fans: Der Sympathisant freut sich, wenn sein Verein
gewinnt, und geht alle zwei Jahre einmal auf den Platz,
meistens wenn er dazu eingeladen wird, meistens ist es
dann in seinen Augen ein Scheißkick,
aber man hat ja nicht bezahlt ... . Falls sein Verein
eine Schlappe einfährt, kann er auch noch einen prima
Abend verbringen. Der Fan schaut sich zumindest 40 Prozent
aller Heimspiele an, was heißt, er lässt seine
Kohle auf dem Platz, und ist, eigentlich noch viel wichtiger,
der wahre Rückhalt seiner Mannschaft.
Der Fan darf goschern, sich freuen, der Sympathisant,
der Fernsehkicker darf ansatzweise grinsen und ab und
zu, aber nur ganz, ganz, leise furzen wenn es wie
meistens mal nicht so läuft. Der Sympathisant ist
ein Rechtloser. Eigentlich ist der Sympathisant das unangenehmste
im ganzen Fußballgeschäft, er hat so gut wie
noch nie die Admira live gesehen, kein Cup-Spiel gegen
einen Zweitligisten, kein Vorbereitungsspiel auf die Meisterschaft.
Er verhält sich dem Verein gegenüber in etwa
so, wie ein Taufscheinkatholik zur katholischen Kirche.
Dagegen ist der Ignorant eine gelungene Abwechslung, der
Fußballhasser ein Wonnebrocken, der Fanatiker ein
zu studierendes Subjekt, und der Fan eben das nonplusultra.
Also war es in Wien ziemlich lustig, vor allem weil mich
Vatern, Herr Wanko Senior, vom Torreigen im stattgefundenen
Abstand informierte. Komm, sagt es allen Menschen,
die Scheiße ist in Hütteldorf zu Haus ....
Und nun greift auch in Graz langsam die Sympathiebekundung
für den ewigen Zweiten. Die Ratten kommen wieder
aus ihren Löchern, applaudieren beim Fernsehen, nicken
zustimmend beim Sonntagsei mit dem Blick auf die Tabelle.
Falls Sie einer von denen sind: Wir haben schon 1991 4:0
gegen die Hütteldorfer gewonnen, auch schon einmal
10:0 eingeschaut. Und noch was, Sie Sympathisant: Hat
man Sie nicht zufällig bei einem Championsleague
Spiel der Schwarzen gesichtet, hatten Sie nicht die bekennenden
Worte auf den Lippen: Ich bin zwar ein Roter, aber
zur Zeit ist Sturm halt wirklich sehr super, allein die
Stimmung. Das muss man schon sagen! Sie sind kein
Roter, auch kein Schwarzer. Verbrennen Sie Ihren Schal!
Nein, nicht nur den Rotweißen! In dem Sinne, Auf
die Roten!
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