GAK – Admira Wacker Mödling: 2:1, 20. März 2004
Wolfgang Kühnelt


Wer sich für ein GAK-Spiel Karten besorgen will, hat es nicht immer leicht. Entweder man riskiert Staus vor den Kassen am Matchtag (ist allerdings – leider! – nicht allzu häufig der Fall) oder man muss extra nach Liebenau koffern, seit es das Stadt-Büro der roten Teufel nicht mehr gibt. Eine neumodische Art der Kartenbestellung ist das SMS. Funktioniert gar nicht so schlecht, aber nur solange man rechtzeitig dran ist. Ab Mittag antwortet die SMS-Maschine auf mein Begehr nur mehr mit Achselzucken: „Die Art der gewünschten Veranstaltung ist uns nicht bekannt.“

Im Sektor 6 zu sitzen ist auch nicht besonders lustig. In unmittelbarer Nähe der gegnerischen Anhänger hat man das Gefühl, selbst zehn mitgereiste Admiraner würden mehr Lärm machen als 6.000 GAK-Fans. Am spaßigsten ist der Ausruf „Ihr seids Scheiße wie der ORF!“ Jeder wahre Fußballfan wird wissen, wie dieser Spruch zustande kam.
Der GAK bettelt wieder um ein Tor. Linz lässt sich nicht lange bitten und macht in der 7. Minute das 0:1. Anscheinend braucht der GAK das im Moment, ein Rückstand und immer nervösere Fans. Mittelfeld ist an diesem 20. März weit und breit keines auszumachen. Vor allem nicht in der Mitte. Die Admiraner probieren es immer wieder über den guten alten Jugovic (allein der Name ist Kult) und über den lustigen Bozgo (sein Name ist Programm). Die GAK-Spieler schauen immer wieder verdutzt zu. Ihre Attacken laufen ebenfalls über die Seiten, Amerhauser hat einen seiner besseren Tage, Sionko ist zu eigensinnig, Muratovic verspielt sich ständig. Das 1: 1 ist wohltuend, dann passiert bis zur Pause nicht allzu viel. Weil ich mit Wanko im SMS-Kontakt bin, kann ich mich sowieso nicht wirklich auf das Spiel konzentrieren. Neben mir sitzt übrigens der Pogatetz-Fanclub in Person einer kreischenden Alleinerzieherin (vermute ich jedenfalls).

In der zweiten Hälfte ist der GAK dann doch recht deutlich überlegen, erst recht als Linz nach einem grauslichen Ellbogencheck in die Kabine geschickt wird. „Zu zehnt tun sich die Gegner gegen den GAK sowieso leichter“, befürchtet mein Sitznachbar. Ja, der richtige GAK-Fan kennt bei jedem Anlass einen depressiven Sager. Schließlich bekommt Gernot Sick im gegnerischen Sechzehner den Ball an den Kopf: Hurra, das ist die Führung. Am Ende kann man froh sein, dass nichts Schlimmeres passiert ist. Sollte sich noch niemand den Terminus „Drei-Punkte-Doktrin“ gesichert haben, dann möchte ich dies hiermit tun.

GAK – Admira 2:1 20.03.04
Martin G. Wanko

In den tiefen 70ern wuschen die Väter am Wochenende noch ihre Autos. Wo also die Väter endlich Väter wurden und den Fußball hinter der Familie anstellten, zumindest hinter dem Auto. Und überall Radio, Ö3. Sport und Musik, mit Klubs wie Wacker Innsbruck, VOEST Linz, LASK, DSV, Simmering, KSV ... (klingt alles noch besser als Superfund, hat in etwa die Zielpunkt Aura). Das Spannende an dem Ö3 Format waren die Direktdurchschaltungen von den Plätzen, wo also Lieder unterbrochen wurden, und bei jeder Unterbrechung, der Putzlappen der Männer in der Luft stehen blieb, bis ... . Seit damals dabei, Admira Wacker.

Alles vorbei, meinen Sie? Im Radio, ja, aber im Leben? Ne, fängt erst richtig an! Kühnelt und ich haben eine schwere Abmachung. Falls einer einmal – kann ja vorkommen – keine Zeit für den Kick hat, hält der Platzhalter den Drückeberger via SMS am Laufenden. Geht gleich ins Herz wie damals. PIP PIP. Ein hektischer Griff zum Handy. 0:1. Linz (7.) Eh klar! Dass das der Wurstelkick wird, war schon klar. Admira immer für böse Überraschungen gut. Aber immerhin ward ich mit Malerfreund Wildbach im Raum Deutschlandsberg unterwegs. In der Nähe von der Burg kehrten wir bei einem Wirten ein und gaben uns dem SMS Fieber hin. Genauer beim Stöckl Peter, ein Schwarzer im Übrigen, wo aber dann und wann auch ein gewisser Toni Ehmann vorbeischaut. Ein echter Wirt eben, schwarz aber nicht ganz unrot. PIP PIP! PIP PIP! Wildbach meint Ausgleich. Recht hat er. 1:1, Hassler (17.)! Endlich Hassler!

Deutschlandsberg ist ja eine rote Gegend, meint Wildbach. Eh super. Bei den Schilcherrauschkindern simma also zaus, während die Schwarzen ihre Hochburgen in der bevölkerungsreichen obersteirischen Bierrauschgegend haben. PIP PIP! PIP PIP! Und wieder saust das Herz in die Hose und zurück. Bis das SMS geöffnet ist, das sind spannende Sekunden, wie vor Jahren, damals ... . Wildbach tippt, Schlag auf Schlag, 2:1, Kühnelt meint lapidar: Sch ... Kick bis jetzt. Und weiter geht’s dem Backhendl an den Kragen, während sich die Kinder auf dem lokalinternen Spielplatz herumtreiben. PIP PIP! PIP PIP! Aber jetzt, denk ich mir! Kühnelt hingegen: Pause. Sionko 2 Riesenchancen.

Nach der Pause wird es still, sehr, sehr, sehr still. So werden die nie Meister. PIP PIP! PIP PIP! So, wenn jetzt nicht alle guten Geister uns verlassen haben, dann ... . 2:1, Sick (74.). Also gibt es doch noch so etwas wie Gerechtigkeit, denke ich mir. In Schönheit sind wir heuer schon oft genug gestorben. Beruhigt geht’s zum Kaffee über. Mittlerweile erfahre ich, dass ein Fleisch- und Wurstsponsor aus der Gegend die nicht mehr ganz so junge Ware an die GAK-VIPs ... PIP PIP! PIP PIP! Und jetzt Doppelschlag, dass eine Ruh is! Naumoski spielt! Welch Überraschung.

Langsam wird es kalt und wir zahlen. So, jetzt müsste der Kick gleich fertig sein. PIP PIP! PIP PIP! Einmal rutscht mir das Herz noch in den unteren Genitalbereich, sind es nun wir die vom Platz gehen, oder sie, die das 2:1 einfach nicht über die Bühne gebracht haben? Meine Frau M. Die Kaffeefilter sind alle. Wildbach meint ich soll links schauen. Dort befindet sich das Fitnessstudio von Toni Ehmann. So hässlich, dass es auch in L.A. stehen könnte, einfach nur ein Kasten, aber die Burschen haben dazugelernt. Mit keinem einzigen Wort wird der Name des Kickers erwähnt. Vielleicht lernen auch Kicker einmal in Würde altern. Zeit wär’s. PIP PIP! PIP PIP! Endstand. 2:1. „Admira Wacker, Würstel Bier und Knacker!“ Und in dem Sinne: Auf die Roten!

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