GAK – Sturm Graz: 1:1, 14. März 2004
Martin G. Wanko

Und dann vergaß Tochter C. ihre GAK-Fahne bei Kühnelt im Büro. Ich gebe ja zu, das Ding ist nicht unbedingt das, was man sich unter einer Fahne vorstellt. Sie ist etwas größer als ein DIN A3 Blatt und trägt den Aufdruck zu einem eher unsäglichen Spiel, der UEFA-Cup-Partie gegen Español. Da haben sie in Spanien schon vier Packeln bekommen und zu Hause gerade mal ein 1:0 über die Bühne gebracht.

Ach ja genau: Wir gewinnen und sie verlieren, auch eine Eigenart, die den richtigen GAK Fan auszeichnet. Gewinnen tut man selber, weil man ist ja gescheit, also wir, und verlieren tun die anderen, weil sie sind ja Trotteln, also sie. Wir enttäuschen uns nicht, aber sie enttäuschen uns immer. Alles klar?
Ich hab mir da so meine Gedanken gemacht und bin zu folgendem Schluss gekommen. Wenn du 103 Jahre alt werden musst, um endlich einmal – sagen wir es so wie es ist – abspritzen zu können, also Meister werden zu können, muss das lange Warten komische Auswirkungen mit sich bringen, manchmal auch bedenkliche. Eine davon wäre eine Schizophrenie durch Frustration. Ein und die selbe Mannschaft wird einverleibt, wenn sie gewinnt und aus dem eigenen Herzen geprügelt, wenn sie verliert. So wie man das halt in einem traditionellem Elternhaus mit seinen Kindern macht: Herzen, wenn die Schule passt, und Beton, wenn der Fleck kommt.
So, da sind jetzt einige Sachen gefallen, die nähere Betrachtung finden sollen: Also, die Fahne liegt noch immer beim Kühnelt. Nicht weiter schlimm, die Spiele gegen die Spanier waren scheiße, also haben sie gespielt, ist es eine Fahne von ihnen und nicht von uns. Außerdem schmücken sie zwei Autogramme. Eines von Enrico Kulovits, den wir im Winter (zum Glück) nach Griechenland verkauft haben, und das andere von Michael Goosens, der zur Zeit so viele Impulse bringt wie seine Frisur. Die erinnert schwer an Dallas Knusperriegel Bobby Ewings. Meine Tochter versteht das trotzdem nicht, fort ist fort, sie wollte eine neue Fahne. Aber dazu später.
Tochter C. ist meine Tochter Clarissa. Und da mich der Herr mit einer Tochter belohnte, muss die in das Leidenstraining eines anständigen GAK-Fans eingeführt werden. Sie wird schon noch merken, was ich ihr angetan habe...

Der Kühnelt: Das ist u.a. mein Kickhaberer. Der heißt auch Wolfgang. Der kennt sich wirklich aus. Darum wundert es mich, dass er gerade ein „Roter“ wurde. Also, wenn Sie sich auch auskennen, oder es mal versuchen wollen, mit dem Auskennen, dann lesen sie bei ihm weiter. Ich bin mangels Fachwissen eher das Quatschmaul.
102 Jahre: Der GAK hat es wirklich noch nie geschafft, zweimal haben Sie sich den Pokal geholt, das erste Mal auch wirklich toll, 1981 gegen Salzburg mit einem Tor von Alfred Riedl. Ich war zur Sicherheit auf Skikurs – meine Spezialität, wenn wir’s einmal packen, bin ich weg. Ein andermal mehr davon. Meister waren wir noch nie, und sie schon gar nicht.

Genau, am Platz waren wir auch noch. Dort bekam Tochter C. mit 9 Jahren eine echte Fahne, so eine mit rotweißen Stripes, eine die größer ist als sie selbst. Mit der man einmal sachte, einmal heftiger über die vor einem sitzenden Köpfe fegen kann, und mit der man zwangsläufig im Mittelpunkt steht: Einmal ein Bier eines gegnerischen Fans erntet, beim Derby war’s ein verschmutzter schwarzweißer Schneeball, was auch sonst?
Also das Spiel, nun. Gerade Superprolo Mario Haas (Kühnelt O-Ton: „Der schießt zweimal im Jahr aufs Tor, und trifft gegen uns!“), schoss gegen sie das 1:0. Zum Glück schossen wir noch den Ausgleich. Remis, wird das nun ein sie oder ein wir? Vielleicht wies, oder siew, eher schon wies. Aber das überlege ich mir bis zum nächsten Mal. In dem Sinne: Auf die Roten!


GAK – Sturm Graz: 1:1, 14. März 2004
Wolfgang Kühnelt

Danke, Wanko. Wir haben übrigens nicht zwei, sondern drei bis vier Titel. Dreimal Cup, einmal davon gegen die Schwarzen, plus einmal Supercup. Wurscht. An diesem 14. März jedenfalls hab ich Bauchweh. Schiedsrichter Sowa. Also wird es unentschieden ausgehen, denkt mein angelernter Pessimismus. Wir beginnen mit einer Trauerminute. Wegen dem Terror von Madrid und dem Tod von Kardinal König, sagt der Stadionsprecher. So ziemlich alle halten die Klappe.

Nach ungefähr zehn Minuten singen die Sturm-Fans „Und schon wieder keine Stimmung – GAK.“ Leider haben sie Recht. In Hälfte eins sehen wir eine müde und ängstliche GAK-Truppe, Sturm versucht es immer wieder über Dag und Haas, bringt aber vorerst auch nichts Gescheites zusammen. Nach einer halben Stunde klingelt es: Haas zieht ab und bumm. Danke, liebe rote Hintermannschaft, so erweckt man chronisch Erfolgslose zu neuem Leben. Immerhin: Wenn man 0:1 zur Pause hinten liegt, kann man in der zweiten Halbzeit keinen Vorsprung verspielen.
In Hälfte zwei wird der GAK spürbar stärker. Amerhauser flankt, Aufhauser köpfelt. Uno-uno. Ein typisches GAK-Tor, ungefähr seit der Zeit als der alte Libregts mit Aufhauser endlose Sondertrainingseinheiten im Casino-Stadion zum Thema Kopfball abgehalten hat. Aufhausers Schädel wird diese Zeit sicher nie vergessen.
Dann gibt es Chancen um Chancen für den GAK, vor allem durch den bemühten aber glücklosen Sionko, durch Aufhauser, Ehmann und Dmitrovic. Ja, Dmitrovic, der nach der letzten Saison zum schwarzen Gegner gewechselt ist, setzt einen Kopfball an, der das eigene Lattenkreuz streift. Auch Sturm wird noch einmal gefährlich, Haas setzt aber allein vor Schranz einen jämmerlichen Spitz an, den außer ihm so ziemlich jeder österreichische Stürmer ins Tor getroffen hätte. Spannend ist es, das Derby, leider aber auch wenig befriedigend.
Spieler des Tages, sagt die neue, wahnsinnig tolle SMS-Abstimmung, ist Muratovic, der einiges probiert hat (inklusive einem lässigen Heber, den Mandl nur mit Mühe abwehren konnte), aber stellenweise langsam und träge wirkte.

Am Ende verliert der GAK die Tabellenführung und Sturm wird der eine Punkt auch nicht wirklich viel bringen. Immerhin muss man sich am nächsten Tag weder als roter noch als schwarzer Fan allzu sehr genieren. Nach dem Derby haben sich natürlich wieder einige angeblich rote mit angeblich schwarzen Dodeln geprügelt, das ist auch so eine Tradition bei uns hier in Graz. Ich glaube ja, dass „unser“ Stadion auch deswegen nach Arnie benannt ist, aber irgendwie glaubt mir keiner.

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