Buch des Monats
Von Minsk nach Manhattan:
Polnische Reportagen.
Hrsg. Martin Pollack
Verlag Zsolnay, 2006.
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Dass die Polen gerne Zeitung lesen, wusste ich bis dato nicht. Wie gerne die Polen das tun, belegt nun eine Reportagen-Sammlung der Tageszeitung Gazeta Wyborcza. Der Umfang der einzelnen Reportagen ist dabei ebenso erstaunlich (bis zu 53 satte Seiten), wie die hohe schriftstellerische Qualität und ganz besonders die Tatsache, dass der Pole dies alles schon zum Frühstücksrührei, in seiner Tageszeitung lesen will. Doch in Polen haben literarische Reportagen eine große Tradition. Der Aufwand den Zeitungen dortzulande treiben, ist kaum vorstellbar. Bis zu 30 Journalisten sind für dieses „Genre“ je Blatt im Einsatz.


In der vorliegenden Reportagen-Sammlung von Martin Pollack findet sich Kurioses ebenso wie Banales und Politisches: Ein Lyzeum in Weißrussland, in dem der Unterricht in Weißrussisch verboten ist. Ein Nobelpreisträger, den in seiner polnischen Geburtsstadt keiner kennen will, und sein 100. Geburtstag, den dort keiner feiern will. Oder eine Krakauer Hausfrau, die ein halbes Jahrhundert lang ihr ganzes Lebens katalogisierte – 38.196 Anrufe (getätigt), 6.257 Anrufe (angenommen), 70.042 TV-Sendungen gesehen, 110 Theaterbesuche...


(Ein sehr schönes Buch. Kaufen Sie es doch einfach auch.)

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