Zimmer-Küche-Kabinett.
Ein Kanzlerdrama.
Wir sehen ein rot tapeziertes Zimmer im Präsidentenpalast.
Der Präsident hat den Kanzler zu sich gebeten. Eine Hand
voll Lakaien steht dekorativ verteilt im Raum.
Der Präsident mit besorgter Miene: Geh, Wolfi, jetzt
tu bitte weiter. Mein Volk wird unruhig. Es will regiert
werden. Wann bildest du endlich ein neues Kabinett? Und
dieses mal ohne die Rabauken von rechts außen, wenn ich
bitten darf.
Der Kanzler: Tommy, alter Freund, bleib cool. Du musst
das verstehen, ich hab einfach im Moment ein bissl viel
um die Ohren. Zuerst die Schi-WM, verstehst des is wichtig
für unser Nationalbewusstsein. Und wenn der Herminator
wieder siegt, dann muss ich dabei sein.
Der Präsident mit noch besorgterer Miene: Und nach der
WM? Kann ich den Medien sagen, dass wir nach der WM ein
neues Kabinett...
Der Kanzler: Was du immer mit deinem Kabinett hast. Nach
der WM muss ich mich für den Opernball vorbereiten, das
is des wichtigste gesellschaftliche und politische Ereignis
im Jahr, oder?
Der Präsident (seine Hände zittern vor Erregung): Ja
schon, aber die Journalisten spotten schon und die Leut
auf der Straßn sagen...
Der Kanzler: Entschuldige, aber woher willst du wissen,
was die Leut auf der Straßn sagen? Wer ist denn der Kanzler
der Herzen?
Der Präsident (um Contenance bemüht): Du natürlich. Aber
trotzdem: Wann bekommen wir eine neue Regierung? Und wer
wird drin sein?
Der Kanzler: Nur die Ruhe. Gleich nach dem Opernball
fangt die Bundesligasaison an und da passt es mir ein
bissl schlecht, weißt. Jede Woche gibt’s in Wien ein Heimspiel
und da muss ich hin, haben meine Berater gesagt.
Einer der Lakaien fällt um. Kanzler und Präsident schauen
ihn mißbilligend an. Die anderen Diener versuchen ihren
Kollegen wieder aufzurichten.
Der Präsident (nervös klingt seine Stimme): Meine Güte,
Wolfi, willst du denn diese Legislaturperiode gar nicht
mehr regieren?
Der Kanzler: Also weißt, ich find mittlerweile sondieren
viel lustiger als regieren. Und auffallen tut‘s doch eh
keinem außer dir, hihi.
Der Präsident stöhnt laut auf und fällt vom Stuhl. Die
Lakaien tragen ihn schweigend aus dem Raum. Zurück bleibt
der grinsende Kanzler, der um sich blickt als würde er
eine versteckte Kamera suchen.
Vorhang.
WK