Die Entstehungsgeschichte des Graz-2003-Films.
Ein Dramolett.
Wir sehen ein stilsicher eingerichtetes Büro in der Grazer
Innenstadt. Der berühmte Filmemacher Felix Breisach sitzt
an seinem Schreibtisch, grübelt und führt offensichtlich
Selbstgespräche. Im Hintergrund ein Vogelkäfig. Darinnen
Papagei Papi.
Breisach: Nur mehr ein halbes
Jahr bis zum Neujahrskonzert und noch immer hab ich keinen
blassen Schimmer, was für einen Film über Graz ich denen
machen soll. Schande vermaledeite, wo ist denn nur meine
Kreativität geblieben?
Papi aus dem Hintergrund: Lieben,
lieben.
Breisach: Graz wie soll
man das nur darstellen? Ich brauche eine Story. Eine Geschichte,
die Gegenwart mit Vergangenheit verbindet. Was ist denn
die Grundessenz von Graz? Der Welschriesling? Jazz? Architektur?
Papi: Tur, tur.
Breisach: Genau das ist
es! Super Papi! Wir machen eine Tour. Junge Menschen aus
mehreren Kontinenten machen eine Tour nach Graz. Das ist
super, dann kann ich endlich wieder mal auf Spesen in
der Welt herumjetten und Locations checken. Ha, das ist
es! Meine Jahrtausendidee! Das wird spitzenklasse.
Papi: Klasse, Klasse.
Breisach: Genau, wir tun
so als ob sie eine Klasse wären. Hm, junge Menschen, Ausländer,
Klasse. Die Musikhochschule, genau. Straßenmusikanten.
Jetzt haben wir eine Story, die die Welt begeistern wird.
Ach Papi, was wär ich ohne dich.
Papi: Ich, ich.
Breisach: Und was soll ich
noch zeigen? Musizierende Ausländer sind ein Anfang aber
sonst? Gibt ja nur Baustellen, nix is fertig. Ohne schöne
Bilder gibt’s doch nur Aufruhr und Entrüstung.
Papi: Rüstung, Rüstung.
Breisach: Ja, genau. Das
Zeughaus, die Ritterrüstungen, Schloß Eggenberg, fesche
Hasen und edle Ritter. Perfekt. Und was wäre noch eine
echte Augenweide?
Papi: Weide, Weide.
Breisach: Alter, super!
Heut hast ja eine Spitzenform. Jetzt hast mir die ganze
Gschicht erfunden. Klar, Tiere auf der Weide. Pferde am
besten, die sind wild und eine gute Ergänzung zur Stadt.
Ha, jetzt fallt mir auch einmal was ein: Lippizaner. Die
kommen ja aus der Nähe von Graz aus Köflach. Und wenn
wir schon Peripherie herzeigen, dann auch noch Stainz,
weil den Winzern von dort bin ich eh noch was schuldig
seit dem Schilcher-Film, der damals schief gegangen is.
Und dann lass ma den wie heißt der, der was dieses Neujahrskonzert
dirigieren wird, den lass ma durch die Weinberg hatschen
und nachdenklich zur Grenze runterschauen und zum Horizont.
Das kommt immer gut, da werden die Leut sich freuen in
allen möglichen Ländern.
Papi: Ändern, ändern.
Breisach: Nein, Papi, ändern
tu ma jetzt nix mehr. Jetzt samma nämlich schon fertig
mit dem Film. Das wird ein Wahnsinnserfolg, ein weltweiter.
Papi: Eiter, Eiter.
Vorhang.
WK